Namen & Neues

Lichtenberg ist nicht Mitte und auch nicht Friedrichshain

Veröffentlicht am 08.07.2019 von Pauline Faust

Touristen verschlägt es weniger in den Bezirk, unter den Top-10-Sights in Berlin listet der Lonely Planet keine einzige aus Lichtenberg. Und dennoch erwarten Lichtenberg im August bis zu 70.000 Gäste. Mit so vielen Leuten rechnet der Veranstalter der Islandpferde-WM, die vom 4. bis 11. August auf der Trabrennbahn Karlshorst stattfindet. Darüber, was bei so einer Veranstaltung passiert, berichtete bei der WM 2013 Kollegin Katja Demirci.

So viele Leute, die müssen doch wissen wo sie sind – findet der Bezirksbürgermeister und möchte den Gästen den Bezirk und seine Sehenswürdigkeiten schmackhaft machen. Dazu gibt es jetzt unter anderem einen Imagefilm. „Es geht um ein Lichtenberger Lebensgefühl“, sagt Michael Grunst (Linke). Zusammenschnitte aus dem Lichtenberger Leben und Sehenswürdigkeiten wechseln sich zu schneller Musik ab.

„Echt.Lichtenberg 2019“ heißt der Film und man möchte fragen: Echt jetzt? Grunst erklärt den Namen: „Wir sind ein authentischer Bezirk. Hier hört man noch die Berliner Schnauze und ehrliche Kommentare.“ Auf der Weitlingstraße zum Beispiel findet Grunst, würde noch ein richtiges Berlin-Gefühl entstehen und unterwegs werde er schon mal von Bürger*innen angesprochen, die wissen ihm ihre Meinung zu sagen. „Authentisch“ sind daher auch die Darsteller, waschechte Lichtenberger hat man gefilmt: Über den Rummelsburger See schippern die Hausboote, die Mädchenmannschaft vom SV Lichtenberg 47 trainiert und zwei Frauen heiraten vor dem Rathaus. Auf Vollständigkeit erhebt der Film keinen Anspruch: „Es passt eben nicht alles in ein so ein kurzes Video, da mussten wir auswählen.“

Wird Lichtenberg jetzt hip? „Ich möchte keine Friedrichshainiserung von Lichtenberg“, sagt Grunst. „Das hat der Bezirk nicht nötig: Lichtenberg ist Lichtenberg. Wir müssen uns nicht schick machen. Wir haben hart gearbeitet, dass die Menschen hier gerne leben.“

Was meinen Sie, kann der Film Ihr Lichtenberger Lebensgefühl einfangen? Was hätte unbedingt noch vorkommen sollen? Und sollte der Bezirk sich um mehr Touristen bemühen? Mich würde Ihre Meinung dazu wirklich interessieren, ich freue mich über Mails oder Twitter-Nachrichten. Lichtenberg zu beschreiben, finde ich nämlich schwierig. Seinen Ruf als Stasi- und später Nazibezirk hat er mittlerweile aber abgelegt. Oder?