Namen & Neues

Diskussion um "Bürger*innenmeister"

Veröffentlicht am 16.09.2019 von Robert Klages

Wie ihr ja wisst, schreibe ich hier im Newsletter mit *, also Bürger*innen statt Bürgerinnen und Bürger. Und ich schreibe auch „Bürger*innenmeister“, denn das ist nur konsequent: Wenn schon Verwendung von geschlechtergerechter Sprache, dann auch in diesem Wort, obwohl der Duden natürlich nur „Bürgermeister“ vorschlägt. Und klar, es ist ein Wortungetüm. Besonders, wenn es in der Mehrzahl noch „Bürger*innenmeister*innen“ heißt. Aber, mal Hand aufs Herz: Auch das Wort „Bürgermeister“ ist nicht sonderlich schön.

Es ist gerade hier wichtig: Besonders in einem Wort wie „Bürgermeister“ zeigt sich, wie verfestigt die patriarchalen Strukturen in der Sprache noch sind. Und ja, die * sollen stören beim Lesen, sie sollen darauf aufmerksam machen. Deswegen sollten sie auch nur als Übergangslösung gesehen werden, bis wir in der Sprachforschung weiterkommen. Ich schreibe nun schon seit zwei Jahren „Bürger*innenmeister“ hier im Newsletter. Mit vielen Leser*innen habe ich schon ausgiebig und konstruktiv darüber diskutiert. Ich bin übrigens nicht dafür, dass geschlechtergerechte Sprache Vorschrift wird.

Es sollte nur gendern, wer dies auch möchte. Und wer es möchte, der findet sprachliche Lösungen. Es geht nicht nur um *, sondern auch um den Inhalt, die Darstellungsweise und Formulierungen. Außerdem wird sich geschlechtergerechte Sprache von ganz alleine durchsetzen, früher oder später. „Bürgerinnen und Bürger“ ist als Anrede nahezu normal geworden. Und zwei Jahre später wird nun nicht mehr nur hier im Newsletter über „Bürger*innenmeister“ diskutiert: Gollaleh Ahmadi, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Spandau, ist aufgefallen, dass immer nur von „Bürgermeistern“ die Rede ist. Sie schreibt: „Hab heute gefühlt 100 mal Bürgermeister gehört, und dachte mir wenn wir schon ein reines Männer BA (Bezirksamt) haben, dann könnten wir doch wenigsten Bürger*innenmeister sagen, und im Allgemeinen dann Bürger*innenmeister*in.“

Auch Xhains Bürger*innenmeisterin Monika Herrmann (Grüne) stimmt zu: Es heiße „Bürger*innenmeister*in“. Als dann noch die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast kommentiert, gelangt die Twitter-Runde auf zwei rechte Plattformen. In den dortigen Kommentarspalten wird Ahmadi rassistisch beleidigt.

Ob Künast, Ahmadi und Herrmann wirklich „Bürger*innenmeister“ schreiben, bleibt abzuwarten. Auf der Website des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg jedenfalls wird Herrmann weiterhin „Bezirkbürgermeisterin“ genannt. Aber immerhin auch hier ist zu sehen, dass es mal eine Zeit gab, in der auch weibliche Bürger*innenmeister*innen „Bürgermeister“ genannt wurden.

Schade allerdings, dass sich oftmals alleine Grüne oder Linke mit dem Thema beschäftigen – obwohl es natürlich auch an den Universitäten behandelt wird und ganz klar kein Projekt von Politiker*innen ist. Als Sprach- und Literaturwissenschaftler mit Abschluss an der Freien Universität Berlin kann ich sagen, dass hier immer schon ohne politische Vereinnahmung diskutiert wurde. Also nur Mut: Wer geschlechtergerecht schreibt oder * verwendet, steht damit nicht automatisch den Grünen, den Linken oder der SPD nahe.

Es gibt übrigens Leute, die geben an, für die CDU gegen „Gendergaga“ zu arbeiten, eine Deutschlandfahne im Profilbild. „Und in ein paar Jahren heißt es dann Bürger*innen/essenmeister*in/es, um auch die #Diversen mit zu berücksichtigen“, schreibt der junge Mann. Unwissend wohl, dass „Diverse“ ungern „es“ genannt werden und durch die * bereits integriert werden sollen. Aber nun ja: wenn sich Rechte darüber aufregen, machen mir die Sternchen gleich noch mehr Spaß.

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