Namen & Neues

"Lichtenberg wird grün": Feministin Laura Sophie Dornheim will in den Bundestag

Veröffentlicht am 03.08.2020 von Robert Klages

„Wer meines oder eines der vielen anderen Kinder in Lichtenberg verunglimpft, weil sie eine dunklere Haut haben, bekommt es mit mir zu tun, ganz wortwörtlich.“ Das schreibt die Grünen-Politikerin Laura Sophie Dornheim in ihrer Bewerbung für das grüne Direktmandat in Lichtenberg in einer Mail an ihrer Parteikolleg*innen. Noch am heutigen Montag wird Dornheim ihre Bewerbung öffentlich bekannt geben. Am 30. September werden die Grünen in Lichtenberg die Kandidat*in für das Direktmandat wählen.

Derzeit ist Dornheim Sprecherin für Netzpolitik und tätig. Und als Managerin in einem Software-Unternehmen. Doch sie will Vollzeit Politik machen und das Direktmandat in den Bundestag holen, das in Lichtenberg seit Jahren Gesine Lötzsch gewinnt. Die Linken-Politikerin habe das „lange genug gemacht“ und verliere bei jeder Wahl an Zustimmung, so die Kampfansage von Dornheim.

Dornheim ist Wirtschaftsinformatikerin und hat in Gender Studies promoviert. „Lichtenberg wird grün“, schreibt sie. „Faschistischem, extremistischem und rassistischem Gedankengut“ will sie sich entschieden entgegen stellen. Sie wohnt zwar nicht in Lichtenberg, die Partei habe dort aber eine gute Basis. „Als Direktkandidatin wird es mein Ziel sein, nicht nur den Süden Lichtenbergs von unserer Vision einer klimafreundlichen, feministischen und sozial gerechten Stadt für alle zu überzeugen.“

Das Parteileben finde fast ausschließlich digital statt, sagt Dornheim. Sie setzt sich für ein Recht auf schnellen Netzzugang ein, dieser sei eine essenzielle Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. „Es kann nicht sein, dass in unserem reichen Land Schüler*innen vor einem Café stehend ihre Hausaufgaben runterladen müssen.“ Zudem solle auch in der digitalen Welt Geschlechtergerechtigkeit hergestellt werden. „Künstliche Intelligenz und algorithmische Entscheidungssysteme haben das Potential, unsere Gesellschaft fairer und gerechter zu machen. Derzeit reproduzieren diese Systeme aber noch allzu oft Sexismen, Rassismen und andere Diskriminierungen, weil bei der Entwicklung niemand darauf achtet. Dem können wir entgegenwirken, wenn wir diverse Teams auf allen Ebenen fördern und strenge Qualitätsrichtlinien für KI-Systeme verankern.“

Sollte sie es in den Bundestag schaffen, will sie erreichen, dass Schwangerschaftsabbrüche vollständig legalisiert und zu einer Kassenleistung werden. „Damit alle Frauen wirklich selbstbestimmt über ihr Sexualität und ihren Körper entscheiden können.“ Derzeit sei die Gesellschaft noch weit entfernt von echter Gleichberechtigung für alle Menschen. „Geschlecht ist dabei nur ein Kriterium. Mein Feminismus ist intersektional. Ich will mich dafür einsetzen, dass alle, die hier leben, die gleichen Chancen haben, egal woher sie kommen, wie sie heißen, woran sie glauben oder wen sie lieben.“