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"Ich lasse mich von Rassismus nicht beeinträchtigen": Gönül Glowinski erhält Preis für Demokratie und Zivilcourage

Veröffentlicht am 05.10.2020 von Robert Klages

Am 29. September würdigte das Bezirksamt Lichtenberg den 30. Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands und verlieh sowohl den Preis für Demokratie und Zivilcourage als auch den diesjährigen Integrationspreis. Den Preis für Demokratie und Zivilcourage erhielt Gönül Glowinski.  Sie ist die Inhaberin des Eiscafés in der Margarethenstraße im Weitlingkiez.

Am 20. April 2018 wurde sie rassistisch beleidigt und in der Folge körperlich attackiert und verfolgt. Glowinski erstattete Strafanzeige und kämpfte für ihre Rechte als Opfer von rassistischer Diskriminierung und das auch nach Einstellung des Verfahrens und in ihren juristischen Bemühungen um dessen Wiederaufnahme. Ohne sich einschüchtern zu lassen, trat sie aus ihrer Opferrolle heraus und ging in die Öffentlichkeit.

„Ich lasse mich von Rassismus nicht beeinträchtigen“, sagte mir Glowinski, als ich sie 2018 in ihrem Eisladen besuchte, um über den Fall zu berichten. Hier nachzulesen. „Ausländerschlampe“ hatten zwei Männer zu ihr gesagt und ihren Pitbull auf sie und ihren Lebensgefährten gehetzt. In den letzten zwei Jahren erfuhr Glowinski viel Solidarität aus der Nachbarschaft, es wurden Kundgebungen organisiert und viele engagierte Bürger*innen begleiteten (beschützten) sie bei ihrem Gang vor Gericht.

Glowinski nahm an Demonstrationen teil und unterstützt die Kampagne „Bunter Wind“ in Lichtenberg, wohl wissend, dass sie und ihr Café Teil der öffentlichen Auseinander­setzungen um ein diskriminierungsfreies Miteinander im Weitlingkiez ist und im Visier von Neonazis stehen könnte.