Namen & Neues

Provisorische Gedenktafel an Opfer rechter Gewalt zerstört

Veröffentlicht am 12.10.2020 von Paul Lufter

Wenige Tage nach dem 21. Todestag von Kurt Schneider haben Unbekannte die für Schneider provisorisch errichtete Gedenktafel angezündet und entfernt, wie die Antifaschistische Vernetzung Lichtenberg auf Twitter mitteilte. „Das unterstreicht unsere Forderung nach einer permanenten Gedenktafel.“

Foto: Antifaschistische Vernetzung Lichtenberg (Twitter)

Schneider, 38 Jahre alt und arbeitslos, wurde 1999 von Neonazis zu Tode misshandelt. Am 6. Oktober war er in Lichtenberg unterwegs, wo er von vier Neonazis angegriffen wurde. Sie forderten Geld und traktierten ihn dabei mit Schlägen und Tritten. Sie ließen ihn schwer verletzt in einer unbeleuchteten Grünanlage am Hoenerweg liegen.

Später kehrten sie zurück und ermordeten Schneider mit einem mitgebrachten Messer sowie Tritten und Schlägen gegen den Kopf. Das Landgericht Berlin verurteilte im April 2000 den 22-jährigen und den 23-jährigen Täter zu lebenslangen Freiheitsstrafen. Die beiden anderen Angeklagten, 18 und 19 Jahre alt, wurden nach Jugendstrafrecht zu acht beziehungsweise achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Obwohl der vorsitzende Richter auf die rechte Gesinnung der Täter verwies, sah er kein rechtsextremes Motiv.

2018 wurde der Fall erneut untersucht. Wissenschaftler*innen des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin nahmen sich dem Fall an. Kurt Schneider wurde daraufhin als Todesopfer rechter Gewalt nachgemeldet. amadeu-antonio-stiftung.de

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