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Hitlergruß, Rassismus, Antisemitismus, Gewalt und Relativierung: Der BFC-Dynamo zeigt sich von der schlechtesten Seite

Veröffentlicht am 20.09.2021 von Robert Klages

Es folgt der Nicht-Sport, denn aus Hohenschönhausen kommen weiterhin äußerst unsportliche Nachrichten. Die bereits als Hochrisikospiel angesetzte Partie zwischen dem BFC Dynamo und Chemie Leipzig am 12. September im Sportforum Berlin-Hohenschönhausen war eskaliert. BFC-„Fans“ bewarfen die Gästemannschaft aus Leipzig mit Fahnenstangen, Kleinteilen und mit Kies gefüllten Bierbechern. Zudem soll mehrfach der Hitlergruß zu sehen gewesen sein, wie auch auf kicker.de nachzulesen ist.

Ein Leipzig-Spieler wurde rassistisch beleidigt und sein Trainer Miroslav Jagatic aus dem BFC-Blog antisemitisch. Ein BFC-Fan soll dem Gästetrainer „Deine Sippe gehört vergast!“ zugerufen haben. Der BFC hatte nicht etwa verloren, sondern 2:0 gewonnen. „Diese rassistischen, antisemitischen und menschenverachtenden Entgleisungen im gesprochenen Wort- und Liedgut, wie es im Sportforum lautstark zu hören waren, sowie Gestik einzelner lassen uns im Jahr 2021 entsetzt und fassungslos zurück“, schreibt Chemie Leipzig in einem Statement.

Im Nachgang des Spiels wird es nicht schöner. Der BFC gibt Jagatic in einem Statement eine Mitschuld. Denn er habe „statt besonnen und deeskalierend zu reagieren und den Platz zu verlassen“ die Situation zwischen den Lagern mit seinem Verhalten weiter angeheizt. Hitlergrüße habe es nicht gegeben, die Polizei habe die Ermittlungen eingestellt, schreibt der BFC. Die Polizei jedoch widerspricht. Gegen­über N-TV sagte ein Spre­cher, dass das Ver­fahren mit­nichten ein­ge­stellt sei und man sehr wohl weiter ermittle.

Die BSG Chemie Leipzig twitterte daraufhin: „Die Geschehnisse nach Spielende am Sonntag haben uns schockiert, tief getroffen und wütend gemacht. Ebenso die scheinheilige, relativierende Stellungnahme des BFC Dynamo. Wir entgegnen: Bei bestimmten grenzüberschreitenden Angriffen, wie hier geschehen, kann von keinem Menschen erwartet werden, diese einfach nur ruhig über sich ergehen zu lassen und den Platz kommentarlos zu verlassen.“

Man verurteile diese „Täter-Opfer-Umkehrung seitens des BFC-Dynamo“. Die Leipziger fordern den Fußballverband auf, die Geschehnisse genau zu untersuchen und Rassismus sowie Antisemitismus in den Stadien endlich ernst zu nehmen. 

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat die Protokolle von Schiedsrichter Johannes Schipke und von Sicherheitsbeobacher Lutz Mende, der die Partie im Auftrag des Verbands verfolgte, geprüft. Nun wird der NOFV einen Antrag auf ein Sportgerichtsverfahren stellen.

„Opa bei den Nazis, Vater bei der Stasi – Ich beim BFC.“ T-Shirts mit diesem Aufdruck in Frakturschrift hat Reporter Felix Gropper für das Fußball-Magazin „11 Freunde“ bei dem Dynamo-Heimspiel im Sportforum gesehen.

Da steht der Bezirk in keinem guten Licht: „Keine fünf Kilo­meter von den veganen Restau­rants, Co-Working-Spaces und Yoga-Cafés in Fried­richs­hain-Kreuz­berg ent­fernt domi­nieren Glatz­köpfe, masku­line Waden-Tat­toos und T‑Shirts mit Frak­tur­auf­druck die Sze­nerie. Alt-Hools, Prolls, aber auch ganz nor­male Fans, Rentner und ver­ein­zelt Fami­lien machen sich auf den Weg zu den Ein­gangs­toren des Sta­dions“. Das Klientel, das der BFC anziehe, sei, zumindest in Teilen, problematisch. Noch problematischer sei es, wie der Verein damit umgehe.

Gropper war beim Spiel gegen Leipzig dabei. Er schreibt: „Ein junger Typ streckt seine Mit­tel­finger in Rich­tung Gäs­te­block und brüllt ​’Wegen Euch wähle ich AfD, ihr Fotzen!‘. Seine ältere Begleit­person schreit: ​’Ihr Juden!‘. Wider­spruch wagt keiner. Die Urheber wirken bedroh­lich. Den­noch wirkt es erstaun­lich, wie teil­nahmslos diese Äußerungen von den Umste­henden hin­ge­nommen werden“.

„11 Freunde“ schreibt über den BFC, der Verein sei in den Jugendbereichen durchaus „multikulturell“ aufgestellt, doch mit dem Kampf gegen Ras­sismus und Anti­se­mi­tismus im eigenen Sta­dion scheine sich der BFC schwer­zutun. „Heut­zu­tage bevöl­kern mit­nichten nur Nazis die Tri­bünen des Sport­fo­rums. Ver­mut­lich stellen ver­meint­lich ​’unpo­li­ti­sche‘ Fans die Mehr­heit“. Die Tole­ranz dieser Masse gegen­über ras­sis­ti­schen Äuße­rungen sei den­noch erschre­ckend hoch.