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Höher, breiter, weniger Grün? – Coral World hat Änderung des B-Plans beantragt

Veröffentlicht am 10.01.2022 von Masha Slawinski

Trotz massivem Protest der Einwohner*innen hat die Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im April 2019 mehrheitlich für den Bebauungsplan Ostkreuz abgestimmt. Seitdem steht fest, dass auf einer der letzten Freiflächen Berlins ein Bürohaus und Wohnungen entstehen sollen. Das Bürohaus steht schon.

Außerdem sollen sich an der Kynaststraße bald die Kräne für das „Coral World Berlin“ drehen, ein Wasserhaus, in dessen Wasserbecken exotische Meerestiere ihre Runden schwimmen werden. Besonders Letzteres sorgte bei den Einwohner*innen für Unmut. Es wurde zum Symbol für eine Stadtentwicklungspolitik, die eher im Sinne der Tourist*innen plant, als im Sinne der Einwohner*innen.

Höher und breiter. Dass gebaut wird, steht seit zwei Jahren und acht Monaten fest. Mit dem Einreichen des Bauantrags ließ sich Coral World Berlin (CWB) allerdings Zeit. Jetzt will CWB höher und breiter bauen und hat dafür eine Befreiung bei der Lichtenberger Baugenehmigungsbehörde beantragt, wie der RBB zuerst berichtete. Grund seien die Technik und die geplanten Terrassen.

Die Erkenntnis kann für CWB nicht neu gewesen sein. Bei dem Bauprojekt handelt es sich nicht um das erste Wasserhaus dieser Art. In der Regel wird vor der Planung eines solchen Gebäudes ein Ingenieurbüro für Haustechnik und Flächenbedarfsplanung engagiert, auch um B-Plan-konform zu bauen. Trotzdem beantragte CWB die Befreiung.

„Kein unüblicher Vorgang“, kommentiert der SPD-Stadtrat Kevin Hönicke den Befreiungsantrag. Laut Hönicke kommt es oft vor, dass es Befreiungen von Bebauungsplänen gibt. Man würde nun prüfen, ob den Grundzügen der Planung widersprochen wird und Interessen Dritter betroffen seien. Wenn dies aus Behördensicht nicht der Fall ist und die Abweichungen nachvollziehbar sind, wird der Befreiung stattgegeben. Spätestens im Februar solle darüber entschieden werden.

Gegen eine Befreiung positioniert sich Philipp Ahrens, Grünen-Fraktionsvorsitzender: „Die Debatte um den B-Plan in der letzten Legislatur war hitzig, die Entscheidung umstritten. Ich erwarte von Kevin Hönicke, dass es keine Ausnahmen für CW gibt“, schreibt er bei TwitterAls eine Aushöhlung der demokratischen Beschlüsse beschreibt der Bezirksverordnete Antonio Leonhardt (Linke) das Vorgehen von CWB (Twitter).

Weniger öffentliches Grün? Neben dem Bau des Wasserhauses hat sich CWB im April 2017 dem Land Berlin gegenüber verpflichtet eine öffentlichen Grünanlage mit Spielplatz zu errichten und diese bis 2037 zu pflegen. Diese hängt aber nicht mit den beantragten Befreiungen vom B-Plan zusammen. Die Anlage soll auf Flächen des Landes Berlin entstehen und Teil des Wasserparks sein.

Bis jetzt sieht es so aus, als würde dieses Vorhaben auch umgesetzt: „Die im B-Plan vorgesehene öffentliche Grünanlage wird von CWB errichtet und wird durchgehend geöffnet sein. Darüber hinaus wird CWB dem Park eigene, private Grünflächen zuschlagen und damit die öffentlich nutzbare Fläche vergrößern“, schrieb dazu eine Sprecherin von CWB.