Kiezgespräch

Veröffentlicht am 25.02.2019 von Robert Klages

Neues vom „grünen Monster“ … wie Gegner*innen der mit Pollern geschützten, grünen Radwege sagen. Einer davon soll ja bekanntlich in der Siegfriedstraße gebaut werden. Hier Teil 1 und Teil 2 lesen. Nun wurde beschlossen, dass erstmal noch jede Menge geprüft werden soll. Denn: „Die Bedenken der Einwohnerschaft müssen Ernst genommen werden.“

Ich wünsche mir, dass „die Bedenken der Einwohnerschaft“ nicht nur bei Radwegen Ernst genommen würden, sondern auch bei allen anderen Bauprojekten, die der Senat so umsetzen möchte. („Bitte bleiben Sie ganz ruhig, wir planen ein_n Einkaufszentrum / Flüchtlingsheim / Bürogebäude / Kita / Radweg etc. vor dem Gebäude zu errichten, in der Sie derzeit eine Mietwohnung belegen.“) — Erfahrungsgemäß hat eine Handvoll Einwohner*innen immer was dagegen.

Am Donnerstag haben alle Lichtenberger Bezirksverordneten ohne Aussprache einstimmig den Beschluss zur geplanten „Protected Bike Lane“ in der Siegfriedstraße gefasst. Dieser Beschluss sieht vor, dass eine Reihe von Prüfungen durchgeführt werden müssen, bevor mit dem Bau der geschützten Radspur begonnen werden darf. Aber: Demnach kommt die PBL, irgendwann. Unter anderem sollen Bezirksamt und Senatsverkehrsverwaltung prüfen, ob der neue Radweg für beide Fahrtrichtungen nur auf einer Straßenseite der Siegfriedstraße realisiert werden kann. Ebenfalls soll untersucht werden, ob die parallele Hagenstraße als Fahrradstraße ertüchtigt werden kann.

Das „Netzwerk fahrradfreundliches Lichtenberg“ ist irritiert über die Prüfaufträge.Ein Zweirichtungsradweg wäre nur realisierbar, wenn an einer Seite Bäume gefällt und der Fußweg deutlich verkleinert wird. Die Kosten dafür wären enorm, meint Sprecher Mattes Groeger. Das Netzwerk befürchtet, dass die jetzigen Prüfaufträge in erster Linie dazu dienen, eine Entscheidung weiter zu verzögern. „Wir erwarten von dem verantwortlichen Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU), jetzt schnell den ersten geschützten Radweg in Lichtenberg auf den Weg zu bringen.

Es wird bereits eineinhalb Jahre über 500 Meter Radweg in der Siegfriedstraße diskutiert, ohne dass ein Meter sichere Radinfrastruktur geschaffen wurde“, so Inge Lechner, Gründungsmitglied des Fahrradnetzwerks. Das Mobilitätsgesetz, das im Sommer 2018 im Berliner Senat verabschiedet wurde, sieht Radwege an allen Hauptstraßen Berlins vor, so auch in der Siegfriedstraße. Der Hintergrund ist das erklärte Ziel, Berlin bis 2050 klimaneutral zu machen. 

Die FDP Lichtenberg fordert, dass zuerst ein ganzheitliches Radwegekonzept für den Bezirk Lichtenberg erstellt werden soll, bevor erhebliche Investitionen in nur 500 Meter Radweg versenkt werden, die sich vielleicht an der völlig falschen Stelle befinden. „Die Ruschestraße und die Rhinstraße sind wichtigere Verkehrsadern als Siegfried- oder Hagenstraße. Wenn an einer Stelle Parkplätze für schnellen und sicheren Radverkehr geopfert werden, dann muss sich das auch wirklich für die Radfahrenden lohnen. Dieser Nachweis fehlt ohne ein Gesamtkonzept.“

Marcel Otto, Beisitzer im Vorstand der FDP Lichtenberg, fordert: „Es gibt im Bezirk unzählige Orte, wo die Erneuerung von Radwegen und der Ausbau der Radwegeinfrastruktur sinnvoller und zweckmäßiger ist, als sich für horrende Summen ein „grünes Monster“ zu bauen.“

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