Tipp von Peter Ameis

Veröffentlicht am 19.03.2018

Ballroom mit Swing beim Tanztee im Museum Kesselhaus. Legendär sind die gelagehaften Schwelgereien in Zeiten der Prohibition oder die Berliner Feste in den Goldenen 20er. Mythen und Legenden ranken und halten sich um diese Zeit und prägen das Berlin-Bild bis heute. Der Jazz explodierte und Blues und Swing entwickelten sich zu sehr beliebter Musikstilen und man tanzte die vermeintlich „wilden“ Tänze. Nicht das Nachtanzen konkreter Figuren war dabei entscheidend, sondern eher der Ausdruck eigener Empfindungen. Sie verkörperte ein neues unverkrampftes Verhältnis zum eigenen Körper.

Wir wollen eine Reise in diese ganz und gar nicht vergessenen und aufregenden Zeiten machen! Auf regelmäßigen Veranstaltungen, wie den berühmten Tanztees, wird (in einer Art jour fixe) Jazz gespielt und das Tanzbein geschwungen. Es geht uns im Kesselhaus aber nicht einfach nur um eine Flucht in die Vergangenheit oder das Aufspringen auf eine Nostalgiewelle. Vielmehr versuchen wir in gewisser Weise etwas Gegenteiliges, sind diesbezüglich vom Parforceritt im Paradoxen überzeugt. Wir möchten mit unseren Veranstaltungen die Art von Energie aufnehmen, die in vergangenen Zeiten vielerorts sogar schwierige soziale und politische Verhältnisse zu überstehen geholfen hat.

Ein Hauch von eleganter subversiver Lebenslust trifft auf dadaistischen Irrsinn, der dem durch Verzweiflung drohenden Wahnsinn überzeugend leichtfertig entkommen konnte. Museums Kesselhaus – like a Cotton Club. In den „Roaring Twenties“ war der Club in Harlem einer der gefragtesten, aber auch skandalträchtigsten Jazz-Clubs New Yorks. Charleston, Swing, Lindy-Hop und Boogie Woogie bringen die Zuschauer zurück an diesen geschmeidigen, sanguinen und mitunter lasterhaften Ort. In Lichtenberg ist der womöglich vielfältigste, größte und beinahe unbekannteste Park der Stadt der Landschaftspark Herzberge, in ihm eingebettet ist das Kesselhaus. Natur und Kultur, Technik und Architektur, Krankenhaus und das Paritätische, Landwirtschaft und Aquaponik, Altenstifte und Ausflugsgruppen mit Kindern – alles hier in einer einmalige Verbindung und nach dem Museumsbetrieb am Abend verwandelt sich das Kesselhaus!

Man sagt, kein Ort animiert so die Lust zum Arbeiten und neue Projekte anzukurbeln, wie eine stillgelegte Produktionsstätte. Vermutlich hat das was mit den nun ruhenden Möglichkeiten, und den “aufgestauten” Energien zu tun. Auf unseren Tanzveranstaltungen wollen wir diese günstigen Voraussetzungen nutzen und direkt auf der Kesselebene zwischen den riesigen technischen Konstruktionen der Band und dem Publikum eine Bühne bereiten, die zum “Social Dancing” einlädt. Ein Zusammenspiel von Musik und Tanz. Tee und Kuchen genießend, Champagner oder Wein schlürfend oder einfach eine Schmalzstulle kauend, lauscht man der Musik vergangener Zeitlosigkeit!

Peter Ameis ist Vorsitzender des Fördervereins Museum Kesselhaus Herzberge e.V.

Das Kesselhaus scheint also einiges vor zu haben in nächster Zeit. Los geht es mit der „Herzberger Swingnacht“ mit Helmut Engel & Band. Freitag , 27. April, Einlass & Bar: ab 18.30 Uhr, Beginn: 19:00 Uhr, Eintritt: 12,00 Euro, ermäßigt 8,00 Euro. Herzbergstraße 79 (Haus 29). Kartenvorbestellungen: kontakt@museumkesselhaus.de Tel.: 030 54722424. museumkesselhaus.de

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