Paul Lufters Tipp für Sie

Veröffentlicht am 22.05.2018

Rechte Gewalt in der DDR? Laut SED und Stasi handelte es sich dabei lediglich um vom Westen gesteuertes jugendliches „Rowdytum“. Dabei erreichte die rechte Gewalt in der DDR in den 80er Jahren ein Ausmaß, das nicht mehr hätte ignoriert werden können. Das gravierende Neonazi-Problem wollte die Staatsführung jedoch nicht wahrhaben. Die Szene blieb bis auf einige wenige große Schauprozesse unbehelligt. In den Gefängnissen waren die Haftbedingungen extrem und eine Auseinandersetzung mit den Jugendlichen fand nicht statt, weshalb viele, die 1989/90 aus den Haftanstalten entlassen wurden, im Anschluss daran gefestigte und vor allem gewaltbereite Neonazis waren.

Auch nach der friedlichen Revolution wurden die Gefahr und das Gewaltpotenzial der rechten Szene in Ost und West gleichermaßen unterschätzt. Der stetig vernachlässigte Umgang, das Verleugnen und Ignorieren der Thematik führten dazu, dass sich rechtes Gedankengut in der Gesellschaft verfestigte und sich ein harter Kern rechter Kader herausbilden konnte.

Dem Thema widmen sich mit einer Veranstaltung unter dem Titel „Wiedersehen in Lichtenberg – Über Neonazis und die Verharmlosung rechter Gewalt“ die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen und die Robert-Havemann-Gesellschaft am 24. Mai in der Stasi-Zentrale im Campus für Demokratie („Haus 22“), in der Ruschestraße 103. In einem von Nadja Klier moderierten Gespräch wird Ingo Hasselbach mit dem Journalisten Peter Wensierski über das Ausmaß rechter Gewalttaten in der DDR und die Wurzeln der Radikalisierung, die bis heute in das rechte und rechtspopulistische Milieu hineinreichen, sprechen. Hasselbach ist eine ehemalige Führungsgröße der Ostberliner Neonazi-Szene und gründete später die Aussteigerinitiative EXIT. Er und seine Mitstreiter wurden bereits 1990 von Wensierski in Lichtenberg gefilmt und befragt. Gezeigt werden dabei bislang unveröffentlichte Filmausschnitte aus der rechten Szene Ostberlins und insbesondere Lichtenbergs von 1987 bis 1991. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr.Der Eintritt ist frei. bstu.bund.de

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