Robert Klages´ Tipp

Veröffentlicht am 14.06.2021

Die Villa Kuriosum feiert den Sommerbeginn und das Ende der kulturellen Wüste. Das Künstler*innenkollektiv in der Scheffelstraße 21 veranstaltet am Sonntag, 20. Juni, von 14 bis 22 Uhr ein Sommerfest (hier mein Portrait über die Villa auf plus.tagesspiegel.de). Bis 16 Uhr ist Kinderprogramm, also Riesenseifenblasen. Außerdem gibt es natürlich Seltenes und Kurioses auf dem Kunstmarkt sowie Kaffee und Kuchen. Nach der Kinderbespaßung folgt ab 16 Uhr ein Artist*innentheater und ab 17 Uhr Musik: Die Band „Captn Krawall“ um den Puppenschauspieler René Marik, die habe ich euch in der Rubrik „Nachbarschaft“ bereits näher vorgestellt, macht den Anfang.

Und dann spielt Lucilectric und im Anschluss … Moment, was? Lucilectric, die Popikone aus den 90er Jahren? Wir erinnern uns an „Weil ich ein Mädchen bin“ aus dem Jahre 1994. Ja, die! Also, mein Kindheitsschwarm heißt mit bürgerlichem Namen Ina Lucia Hildebrand aka Luci van Org. Van Org war Sängerin bei der Band Lucilectric. Ja, das war eine ganze Band, haben wir damals natürlich nicht mitbekommen beim Kassettenhören. Sie war so fröhlich damals und keck – und ihr „Mädchen“-Song schrieb deutsche Popgeschichte. Später wurde es dunkler um sie, im positiven Sinne: Ihre Bands „Das Haus von Luci“, „Üebermutter“ und „Meystersinger“ genießen in der Gothic-Szene Kultstatus. Nun hat Hildebrand ihr erstes Solo-Projekt gestartet mit dem Namen Lucina Soteira. Ein Mix aus Electro, Pop, Pagan und Rock: hier ein Beispiel auf Youtube. Oder hier das Lied „O Caligo“. Ihr Auftritt in der Villa Kuriosum: 17 Uhr.

Im Garten der Villa haben Lucina und ihr Mitstreiter Phoebus Morio einige Male geprobt. Morio zeigt sich nur mit Maske auf der Bühne und in Videos, sein Gesicht sieht man nie. Warum? „Er will nicht, dass seine Person davon ablenkt, dass das Ganze mein Soloprojekt ist, er hat mich zu dem Projekt ermutigt“, schreibt mir Lucia Hildebrand.

„Dark Ritual Pop“ nennen sie das, was sie da spielen. Dreisprachige Texte in Deutsch, Englisch und Latein. „Es schlägt die Brücke durch Raum und Zeit und lässt – ganz im Sinne der Mutter Erde – bedingungslose Liebe in Form von Musik durch unsere Gegenwart fließen“, sagt Hildebrand. Sie wohnt in Neukölln, ihr Mitstreiter in Friedrichshain. Der Villa Kuriosum sind sie tief verbunden. „Phoebus hat mich mit seiner Liebe zu diesem verzauberten Ort angesteckt“, erzählt Hildebrand.

Zurück zum Sommerfestprogramm: Nach Lucina Soteira gibt es dann aber wirklich Punk. „Ich bin seit bestimmt 14 Tagen auf keinem Plenum gewesen.“ Das ist meine Lieblingslyrik aus dem Song „Lifestyle Verpflichtet“ von der Gruppe „Infant Sanchos“. Die spielen um 19 Uhr. Punk mit Drumcomputer und Synthesizer. Dumpfer Bass, schroffe Kanten, Arbeitslosengeschrei. Anspruchslose, aber wirksame Tonfolgen. Mentale Hygiene der Generation Mischgetränk. Vom Bodensatz des Kreativmilieus, zwei Renegates, aus Neukölln, aus Langeweile. I love it. Ob ich am Sonntag Zeit habe für das Sommerfest muss ich erst noch schauen. Wenn, dann mit meinem Sohn, da nehmen wir wohl eher nur den Seifenblasenpunk mit.

Um 20 Uhr gibt es dann Postpunk von „Liiek“. Hört mal rein, ist auch sehr geil, finde ich. Genug der Worte, zum Programm geht es hier.

  • Zu den Corona-Regeln: Ausstellungen in Kunst- und Kultureinrichtungen können ohne Anmeldung besucht werden. Hintergrund ist der Senatsbeschluss vom 1. Juni. Ab einer Anzahl von elf Besucher*innen ist ein maximal 24 Stunden alter negativer Corona-Test vorzulegen. Besucher*innen mit dem Nachweis über eine vollständige Impfung oder genesene Personen müssen nicht getestet sein. Es gelten weiterhin die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Pflicht zum Tragen einer FFP-2-Maske.