Nachbarschaft

Veröffentlicht am 12.02.2018 von Paul Lufter

Seit sieben Jahren betreibt Sven Ruschka zusammen mit Max Braune das Musikstudio Parachute Pony Music Productions in der Genslerstraße. Zwischen Autoschraubern und der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen haben sich die beiden in einem ehemaligen Kinosaal auf dem Gelände des damaligen Lagers X eingerichtet. Schwere rote Vorhänge an den Wänden, abgedunkelte Fenster, eine Sofaecke und ein Berg an Instrumenten und Technik sorgen für die entsprechende Atmosphäre, um sich tagelang ganz der Musik zu widmen.

Ruschka wuchs in der DDR auf und verbrachte einen Großteil seiner Jugend am Nöldnerplatz in Lichtenberg. Schon mit sechs Jahren fing er an, Unterricht an einer Musikschule zu nehmen, lernte Gitarre und Schlagzeug und half mit letzterem schließlich in der Band seines Vaters aus, die Tanzmusik spielte. Da man ihm in der DDR sowohl das Abitur als auch das Studium verwehrte, lernte er Koch und arbeitete in verschiedenen Kantinen und Küchen. Musik begleitete ihn dabei jedoch auf Schritt und Tritt.

Nach der Wende holte er sein Abitur nach und begann Musikwissenschaften an der HU zu studieren. Trotz seiner Begeisterung für Musik brach er das Studium nach dem siebten Semester ab. Nebenher spielte Ruschka in verschiedenen Bands und organisierte Veranstaltungen und Konzerte für kleinere Acts. Max Braune übernahm dabei häufig das Mixing der Bands und so arbeiteten die beiden immer wieder zusammen. Aus der gemeinsamen Arbeit entsprang die „fixe Idee“, wie Ruschka es nennt, gemeinsam ein Studio zu gründen. „Lass uns das machen, bevor wir 40 werden.“

Nach einigem Hin und Her wurden die beiden in der Genslerstraße fündig. Für Ruschka und Braune stand dabei nie der Profit im Mittelpunkt. „Wir sind nicht angetreten, um unwahrscheinlich reich zu werden“, so Ruschka. „Wir wollen das schon so gut machen, dass wir bei allem, was wir hier rausgeben auch sagen, das ist jetzt och jut geworden.“ Wer sich davon überzeugen möchte, der findet auf der Internetseite des Studios ein paar Hörbeispiele.

Haben Sie auch eine Idee, wer hier vorgestellt werden soll? Mail an leute-r.klages@tagesspiegel.de.

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