Nachbarschaft
Veröffentlicht am 10.12.2018 von Robert Klages
Das sind Roxanna Mackie aus Aberdeen (rechts) und Marianna de Heredia aus Mexiko-City. Beide arbeiten in der Wolkenfabrik in Lichtenberg, wie ich es nenne. Hier sind Spinnen die Künstler*innen, zudem arbeiten neben Biolog*innen und Astrophysiker*innen auch zahlreiche humanoide Künstler*innen in dem „Studio“ in der Hauptsstraße 11/12, gleich gegenüber vom Sisyphos. Von außen ein baufälliges Haus, sieht aus, als würden sich dort Spinnen total wohl fühlen. Im Inneren des ehemaligen Fabrikgebäudes ist es dann überraschend modern und lebhaft. Hier lässt der argentinische Künstler Tomas Saraceno seine Objekte produzieren. Was genau hier vor sich geht, kann in diesem Tagesspiegel-Artikel von 2014 nachgelesen werden. In der Zwischenzeit hat sich das Studio vergrößert. Es ist eines von sieben Departments weltweit und hat nun über 40 Mitarbeiter*innen auf drei Etagen, sechs verschiedene Sprachen werden gesprochen.
Warum Lichtenberg? „In Mitte wäre es unmöglich gewesen, so ein großes Gebäude zu bekommen“, meint Mackie. Ihr Job ist „Aditorial Assistance“, sie hat Kunstgeschichte und Politikwissenschaften studiert, den Master in Österreich. Ihre Kollegin de Heredia ist seit Juli in Berlin. Sie hat vorher ihren Doktor auf der Stanford Uni in Kalifornien gemacht, danach auf den Philippinen gelebt. In Berlin gefällt ihr besonders, dass es überall Spielplätze gibt. Es sei eine tolle Stadt für Kinder.
Eine Spinne sein: Saraceno hat auch eine Ausstellung im K21 in Düsseldorf. (Ich hab in der Stadt meinen Bachelor in Literatur und Philosophie gemacht, hier ein Symbolbild Düsseldorf, für Insider*innen) Dort hat der Künstler ein Stahlnetz unter die Decke des Museums installiert, das man beklettern kann. Hier Fotos. Außerdem beleuchtet er Spinnennetze (Foto). Kein Netz gleicht dem anderen. Eben diese Kunstwerke werden in Lichtenberg „produziert“. Die Biolog*innen arbeiten mit den afrikanischen Spinnen, kommunizieren durch Vibrationen mit ihnen oder drehen die Konstruktionen, in denen die Netze sind, einfach mal um – die Spinne muss sich neu orientieren. Das größte Netz ist drei Meter lang und drei Meter breit. Leider durfte ich keine Fotos von den Objekten im Arbeitsprozess machen. Auf der Website des Studios gibt es Einblick in die Ergebnisse.
Aber die arbeiten da nicht nur mit Spinnen: Klimaforschung machen sie auch zum Beispiel. „Wir wollen einen Weg finden, die Luft um uns herum anders wahrzunehmen“, wird mir erklärt. Denn alles, was wir in der Atmosphäre ändern, ändern wir auch im Universum. Sie stellen Wolken aus verschiedensten Materialien wie Holz oder Glas her, die durch Sonnenenergie schweben – in Zusammenarbeit mit einer Uni in Rotterdam. Eine dieser Wolken wird noch in dieser Woche an ein Museum in Miami geliefert.
Foto: Robert Klages
Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de