Nachbarschaft

Veröffentlicht am 29.07.2019 von Robert Klages

Das Schloss Friedrichsfelde im Tierpark wurde aus den Einnahmen von Menschenhandel errichtet. Das legt ein Beitrag auf der Website des Museums Lichtenberg nahe, verfasst von Jörg Bock, im Auftrag des Museums. Es wird Benjamin Raule (1634–1707) vorgestellt. Dieser war General-Marine-Direktor des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, Besitzer von Rosenfelde (später Friedrichsfelde) und legte den Grundstein für das Schloss Friedrichsfelde.

Im Jahre 1682 gründete Raule die Brandenburgisch – Afrikanische Kompanie. Die erste deutsche Aktiengesellschaft, um mit Waren aus Brandenburg, England, Frankreich und aus Afrika Handel zu treiben. Ein Jahr später entsandte die Kompanie eine Expedition nach Afrika. Auf dem Gebiet des heutigen Ghana wurde ein Stück Land erworben und dort einen Handelsstützpunkt errichtet. Das darauf errichtete kleine Fort erhielt den Namen Groß-Friedrichsburg und war Ausgangspunkt der brandenburgischen Aktivitäten in diesem Teil der Welt.

Handelsgüter waren Gold, Elfenbein, Gummi Arabicum, und, was in späteren Jahren gern verschwiegen wurde, Menschen. Laut dem Museum Lichtenberg war der Anteil von Kurbrandenburg am gesamten Sklavenhandel zwar gering, dennoch wurden von hier aus ca. 30.000 Menschen verschleppt. Dieser Stützpunkt wurde später als die erste deutsche Kolonie bezeichnet.

Die Afrikanische Kompanie und damit auch Raule verdienten am Afrikahandel ausgesprochen gut. Bereits 1682 war er endgültig nach Berlin gezogen, wo er einen Hof mit einen prachtvollen Haus in Friedrichswerder erworben hatte. Im Stile seiner niederländischen Heimat ließ er sich einen prächtigen Sommersitz, ein kleines Lustschloss, errichten. Dieses war der Grundstock für das später entstandene Schloss Friedrichsfelde. Raules Feste dort sollen legendär und ausschweifend gewesen sein.

Auf der Website des Schlosses wird die Geschichte des Schlosses erzählt, auch mit Raule, allerdings ohne die Erwähnung des Sklavenhandels. Es wird Theodor Fontane zitiert: „Friedrichsfelde darf als das Charlottenburg des Ostends gelten, und allsonntäglich wandern Hunderte von Residenzlern hinaus, um sich ‚Unter den Eichen‘ daselbst zu divertieren.“

Derzeit befasst sich auch ein Forschungsrat von Expert*innen für Sklavenhandel und Kolonialgeschichte mit der niederländischen Geschichte – und damit auch mit Raule. 2022 sollen Ergebnisse vorliegen, wie Kollege Rolf Brockschmidt berichtet. Wichtig dabei: eine außereuropäische Perspektive einzunehmen und liebgewordene Positionen kritisch zu hinterfragen.

Foto: Nachguss einer Raule-Büste, 19. Jahrhundert, heute zu sehen im Schloss Friedrichsfelde.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de

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