Nachbarschaft

Veröffentlicht am 23.03.2020 von Robert Klages

Allein erziehend und Homeoffice – das stellt einige Arbeitnehmer*innen vor schwierige Tage und Wochen. Während Eltern, die ihr Kind gemeinsam erziehen und zusammen leben, schon Schwierigkeiten bekommen und „Bürogemeinschaften“ bilden, stellt die Corona-Situation Alleinerziehende vor harte Aufgaben. Eine Petition, gestartet vom Bundesverband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) fordert, die Notfallbetreuungen für Alleinerziehende unabhängig von ihrem Beruf zu öffnen. Bisher dürfen nur Eltern die Notfallbetreuung der Kitas in Anspruch nehmen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten.

„Wir rufen Arbeitgeber dazu auf, Alleinerziehende bezahlt frei zu stellen, wenn es keine andere Möglichkeit der Kinderbetreuung gibt“, heißt es in der Petition. „Sinnvoll sind dafür staatliche Hilfen für kleine Betriebe. Diese sollten mit der Verpflichtung verbunden sein, Eltern in Not durch bezahlte Freistellungen zu helfen.“

Nathalie Freund ist alleinerziehend. Leise spricht sie mir auf die Mailbox, weil „der Kleine“ gerade schläft. 2018 hatten wir hier im Newsletter über sie und ihre Situation berichtet, ebenso Lima+. Seit zwei Monaten hat sie einen neuen Job und arbeitet derzeit, aufgrund der Corona-Vorsichtsmaßnahmen, aus dem Home-Office. „Das ist aber quasi nicht möglich. Sobald ich mich an den Rechner setzte, will der Kleine auch mit dran“, sagt sie. Wochenenden wird es für sie so gut wie nicht mehr geben, weil sie immer arbeiten muss. Sie versucht, auch in den Abendstunden zu arbeiten, soweit das mit der Arbeit vereinbar ist, sie muss auf eine gewisse Stundenzahl kommen.

Sie machte sich Sorgen wegen einer möglichen Ausgangssperre. Familienzusammenführungen sollen dann zwar nicht betroffen beziehungsweise weiterhin erlaubt sein, aber Freund fragt sich, wie es in diesem Falle umgesetzt werden würde. Im Ausnahmezustand in Paris beispielsweise ist das Abholen von Kindern weiterhin erlaubt. Nun wurde in Berlin beschlossen, dass Familien weiterhin vor die Tür gehen dürfen. „Soziales Leben muss möglich sein, Kinder müssen mal an die frische Luft gehen“, sagte der Berlins Regierender Bürger*innenmeister Michael Müller (SPD).

Nun ist Freund auch noch leicht krank, will sich aber nicht krankschreiben lassen, da sie noch in der Probezeit ist. „Ich habe Angst, meinen Job zu verlieren.“

Wenn sie hört oder liest, dass sich Leute in Parks versammelten, macht sie das wütend: „Diese Leute schaffen es, dass wir wirklich eine Ausgangssperre bekommen.“ Es sei sau-anstrengend mit dem Kind 24 Stunden alleine zuhause zu sein und gleichzeitig auch noch arbeiten zu müssen.

„Ich liebe mein Kind, aber keine Sekunde mehr für sich zu haben, ist hart!“ Da fehle es natürlich auch an Förderung für den dreijährigen Theo. „Ich will ihn auch nicht einfach vor den Fernseher setzen.“

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de