Nachbarschaft

Veröffentlicht am 21.09.2020 von Robert Klages

Kinay Olcaytu wurde 1977 in Izmir geboren und hat in Hamburg Kunst studiert. In den 90er Jahren kam sie nach Berlin und hat zusammen mit anderen die „Villa Kuriosum“ an der Bezirksgrenze zwischen Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg (Scheffelstraße 21) gegründet. Dort sammeln sie derzeit besondere Alltagsgegenstände, kuriose Dinge, Erinnerungsstücke – das Projekt heißt „Alltagskammer“. Hier ein Foto von Benoit Ribot, wie er das Plakat zur Ausstellung vor der Villa malt – zu sehen ist ein überdimensionaler Flaschenöffner, ebenfalls Teil der Ausstellung. Diese kann immer sonntags von 14 bis 16 Uhr (und mit Maske) kostenlos besucht werden – oder auf Anfrage über villakuriosum@googlemail.com

Die Ausstellung soll den Kiez und seine Geschichte repräsentieren und zu einem abstrakten Porträt heranwachsen. Daher sucht die Villa noch Gegenstände. Wenn ihr was habt, her damit, meldet euch bei der Villa. Es kann sich um jeden beliebigen Alltagsgegenstand handeln oder um ein Kunstwerk oder um ein historisches Objekt. Oder Fotos von diesen Dingen. Wichtig ist die Geschichte, die damit verbunden wird. Diese kann ganz persönlich sein, aber auch historisch. Eure Dinge bekommt ihr nach Ende der Ausstellung zum Jahresende zurück, wenn ihr wollt.

Olcaytu hat einen Salzstreuer aus Istanbul in die Ausstellung eingebracht. Das Männchen mit Schnauzbart sieht angeblich Abdullah Öcalan ähnlich, Gründungsmitglied der kurdischen Arbeiter*innenpartei PKK. Diese ist in der Türkei verboten, auch in Deutschland unterliegt sie seit 1993 einem Betätigungsverbot. 2001 wurde ein Restaurantbesitzer in Istanbul verhaftet, weil er einen solchen Salzstreuer hatte.

Das Objekt wurde beschlagnahmt. Diese etwas amüsante Nachricht mit politischer Würze habe in der türkischen Metropole dazu geführt, dass sich zahlreiche Wohngemeinschaften und Haushalte diese Salzstreuer kauften, erzählt Olcaytu. Daher hat sie diesen Gegenstand als Erinnerung aufbewahrt. Mehr zur Villa Kuriosum und ihren Bewohner*innen bald hier im Newsletter und auf Tagesspiegel.de. – Foto: Robert Klages