Nachbarschaft

Veröffentlicht am 26.04.2021 von Robert Klages

Jana Korb ist Künstlerin, Artistin und Kulturwissenschaftlerin. Sie macht artistisches Theater und narrativen Zirkus. Sie spielt mit der Exotik des Zirkus und der Luft-Artistik. „Ich will den öffentlichen Raum mit meinen Geschichten besetzen – ein beiläufiges Publikum mit Themen konfrontieren, mit denen es nicht rechnet. Es geht um das Spiel mit der Wahrnehmung des Publikums, um Konfrontationen an gesellschaftlichen Grenzen.“

Sie lebt in Lichtenberg, spielt allerdings sehr selten hier, da sie in erster Linie tourendes Theater macht. In den letzten Monaten war sie (notgedrungen) so viel zu Hause in Lichtenberg wie noch nie. Es entstand die Idee, als Trapezkünstlerin mit den Menschen in Lichtenberg in Austausch zu treten:

Jana Korb zeigt, basierend auf der Novelle „Erstes Leid“ von Franz Kafka, eine luftartistische Performance im Stadtraum, interaktiv zwischen Performerin und maximal zwei Gästen, die mit ihr auf Treppen auf Augenhöhe in den persönlichen Austausch treten. Zwei Stunden in der Luft tanzend führt sie jeweils 10minütige Gespräche, weitere Gäste auf dem Boden werden Zeug*innen dieses Dialogs. Zitat frei aus Kafkas Text (hier zu lesen): „Eine Trapezkünstlerin hatte ihr Leben derart eingerichtet, dass sie Tag und Nacht auf dem Trapeze blieb.“

Durch die Pandemie ist unser Aktionsraum derzeit beträchtlich begrenzt. Die Trapezkünstlerin kann uns Rat geben, Mut machen und Ideen anstoßen, aus der Begrenzung unseres Alltags das Beste zu machen. Wir hören Geschichten über ihre Beziehung zum Boden, über den weiten Blick von oben, über ihre realen und imaginären Gefährt*innen. Wir erfahren von ihrem Alltag, ihrem Alleinsein, ihren Stürzen. Und vielleicht erzählt sie uns, seit wann und vor allem warum sie auf ihrem Trapez lebt.

„Hoch Zuhaus | Geschichten aus dem begrenzten Raum“, heißt das Projekt von und mit Jana Korb, vom 27. Mai bis 6. Juni. Premiere ist am 27. Mai um 19 Uhr am Museum Berlin Karlshorst im Rahmen des Performing Arts Festival Berlin, natürlich an der freien Luft.

Weitere Termine (je nach Corona-Situation):

Museum Berlin Karlshorst, hier mehr zum Museum lesen:

  • 28. Mai – 19 Uhr-21 Uhr
  • 29. Mai – 15 Uhr-17 Uhr und 19 Uhr-21 Uhr (nachmittags auch auf Russisch)

Tuchollaplatz oder BLO-Ateliers, hier mehr über die BLO-Ateliers lesen:

  • 2. Juni – 16 Uhr-18 Uhr
  • 3. Juni – 16 Uhr-18 Uhr

Villa Kuriosum, Scheffelstr.  21, hier mehr über die Villa lesen:

  • 5. Juni – 17 Uhr-19 Uhr
  • 6. Juni – 17 Uhr-19 Uhr

Der Eintritt ist frei. Die aktuellen Bedingungen zwecks Platzreservierung etc. gibt es auf der Website von Korb: luftartistin.de

Ob die Veranstaltungen jedoch wie geplant stattfinden werden, ist höchst fraglich, da nach der Corona-Notbremse des Bundes Theater, Opern, Konzerthäuser, Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten in Berlin wieder schließen beziehungsweise nicht öffnen dürfen, auch nicht unter Auflagen. Auch die Coronaregeln für den Ausenthalt im Freien wurden verschärft. Bitte haltet euch auf dem Laufenden, gerne auch über unseren Tagesspiegel Corona-Blog.

Korb ist Teil des Kollektivs „Korb und Stiefel“ in Lichtenberg. Sie choreographierte und spielte in und für Produktionen von u. a. Christoph Schlingensief, John Bock, Taylor Mac, Jill Greenhalgh, Kordula Lobeck de Fabris. Sie performte für Vaclav Havel, auf der Documenta, der Ostrale, im Odin Teatret und ist künstlerische Co-Leiterin der Luftartistik-Festspiele Berlin, Mit-Begründerin des RAW-Geländes, Mitglied im Magdalena Project (Network of Women in Contemporary Theatre) und Vorstand im Bundesverband Theater im Öffentlichen Raum.

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-r.klages@tagesspiegel.de