Intro

von Ingo Salmen

Veröffentlicht am 21.07.2020

Singen macht glücklich, das weiß die Welt schon lange. Dass Singen auch krank machen kann, hat uns erst die Coronakrise vor Augen geführt. Wer lauthals etwas vor sich hinschmettert, verteilt auch lauter Tröpfchen in der Umgebung und die noch kleineren Aerosole (früher hätte man das Wort für eine Schöpfung der Sportschuhindustrie gehalten) obendrein. Im schlimmsten Fall verbreitet sich dadurch das Coronavirus.

Nun ist das Infektionsgeschehen in Berlin in den vergangenen Wochen allerdings weitgehend zurückgedrängt worden. In Berlin sind weniger als 300 aktive Fälle bekannt, in Marzahn-Hellersdorf nur noch rund 30. Deshalb traut sich der Senat nun auch, nicht nur Kontaktsport, Duschen in der Sportumkleide und größere Veranstaltungen wieder zu erlauben – sondern auch das Singen von Chören in geschlossenen Räumen. Am Dienstag fand ein Expertengespräch statt, um Hygieneregeln festzulegen, wie meine Kollegin Sabine Beikler im Tagesspiegel berichtet. Kommende Woche könnte der Senat die Lockerung beschließen.

In Marzahn-Hellersdorf dürfen die Chöre trotzdem schon mal trällern – im Freien. Das Orwohaus, als „lauteste Platte Berlins“ vor allem für Rockmusik bekannt, bietet Chören an, seine Außenanlagen kostenlos zu nutzen, wie Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) berichtete. Sie leitete auch eine Mitteilung der Grün Berlin weiter, dass Chöre ebenso in den Gärten der Welt proben dürfen – wenn auch nicht bei freiem Eintritt. Die Regeln sind klar: nur montags, mittwochs, freitags, nicht in den Themengärten, sondern allein auf großen Rasenflächen, nicht zur Belästigung des Kassenpersonals oder paralleler Veranstaltung und nur nach vorheriger Anmeldung – dafür gibt es auch ein Merkblatt. Aber immerhin.

Am Ende könnte Marzahn-Hellersdorf noch zum Partybezirk werden. Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) hat alle Bezirke aufgefordert, geeignete Plätze und andere Freiflächen zu benennen, die als Ersatz für die Berliner Clubszene taugen könnten. Techno im Cleantech-Businesspark oder dem Georg-Knorr-Gewerbepark? Das könnte sich zumindest die Linke im Bezirk sehr gut vorstellen und fordert das Bezirksamt auf, solche Optionen schnell zu prüfen. CDU-Wirtschaftsstadträtin Nadja Zivkovic lädt gleich mal das Berghain nach Marzahn ein. „Das wäre schon eine coole Sache“, sagte sie mir am Dienstagnachmittag, nachdem schon Dr. Motte seinen 60. Geburtstag in den Gärten der Welt gefeiert hatte – wenn auch nur per Livestream-Rave. „Wenn es denn nach den Corona-Regeln funktioniert.“

Zivkovic neigt allerdings nicht dazu, eine feste Fläche für Partys auszuweisen, das würde Anwohner*innen und Natur zu sehr stressen. sie will eher nach Bedarf schauen, was in Frage kommt. Vereinzelt habe man das für Jugendfreizeiteinrichtungen schon ermöglicht. Und MaHe war ohnehin bei der Party in der Krise ganz weit vorn. Stichwort: „Viva Balkonia“.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de