Kiezkamera
Veröffentlicht am 05.01.2021 von Ingo Salmen
Ist Folter für den guten Zweck legitim? Darum drehte sich am Sonntagabend der vielbeachtete Zweiteiler „Feinde“ nach einer Vorlage von Ferdinand von Schirach. Die beiden Filme wurden im ersten und in allen dritten Programmen der ARD parallel gezeigt – und der jeweils andere Teil im Anschluss.
Denn „Feinde“ schildert zweimal denselben Fall, nur aus unterschiedlicher Perspektive: die Entführung eines Mädchens mit tödlichem Ausgang. Einmal aus Sicht des Ermittlers Peter Nadler (Bjarne Mädel), einmal aus Sicht des Verteidigers Konrad Biegler (Klaus Maria Brandauer). 15 Millionen Leute schalteten für das „Fernseh-Experiment“, wie der Sender es nannte, insgesamt ein.
Und Marzahn spielte dabei eine zentrale Rolle. Denn Schlüsselszenen des Falls wurden im Kraftwerk von Vattenfall an der Rhinstraße gedreht, wie unser Newsletter herausfand. Nur diente es nicht als Kraftwerk, sondern als Zellentrakt des Polizeireviers. Das teilte die Produktionsfirma Moovie auf Anfrage mit. Flur, Besuchsraum (Bild oben), alles im Kraftwerk. Das „Waterboarding“ im Duschraum, mit dem Polizist Nadler heimlich ein Geständnis erzwingt – in Marzahn gedreht. Das vermeintliche Geständnis vor Zeugen anschließend im Treppenhaus – in Marzahn gedreht.
Allerdings kam nicht der 2020 eröffnete Neubau zum Zuge, sondern das ehemalige Verwaltungsgebäude im alten Teil des Heizkraftwerks, wie ein Vattenfall-Sprecher erklärte. Dort hatte die Produktionsfirma sich im November 2019 für drei Tage auf einer Etage eingerichtet. Es seien nur wenige Um- und Einbauten nötig gewesen. Derzeit stehen die Räume leer, über ihre zukünftige Nutzung sei noch nicht entschieden worden. Zudem wurde eine Fahrt in Nadlers Wagen in der Landsberger Allee gedreht, hieß es seitens der Produktionsfirma.
Erwähnt wird Marzahn auch als zentraler Bestandteil der Geschichte – jedoch in einem anderen Zusammenhang. Bei seiner Folter gibt der Verdächtige eine Industrieruine in der fiktiven Ernst-Thälmann-Straße 16 in Marzahn als Gefängnis des entführten Kindes an, wo ein SEK das Mädchen schließlich tot entdeckt. Der Drehort befand sich jedoch im Wandlitzer Ortsteil Prenden. Dass der Fundort in einer Radio-Meldung im Film als „westlich von Berlin“ angegeben wird, ist also falsch, ganz egal, wie man es wendet.
Foto: ARD Degeto/Moovie GmbH/Stephan Rabold
Fotografieren Sie in Ihrem Kiez oder anderswo im Bezirk? Bitte senden Sie Ihre Bilder an: leute-i.salmen@tagesspiegel.de