Kiezkamera

Veröffentlicht am 23.03.2021 von Paul Lufter

1595 Tage überzogen: Der BER von Marzahn ist endlich fertig. Schon zur geplanten Eröffnung vor fast viereinhalb Jahren standen die 18 Fitnessgeräte in der Frauenfitnessfläche bereit. Jahrelang standen sie jedoch still: ob Laufbänder, Trimmräder oder allerlei Folterwerkzeuge mit Gewichten. Dass sie sich nicht kaputtgestanden haben, überprüften Hallen-Geschäftsführerin Yvonne Blankenforth und Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) am Montag – wenn auch nur in Schrittgeschwindigkeit, denn Sport in geschlossenen Räumen ist derzeit bekanntlich untersagt. Vor einigen Wochen hatte auch der TÜV die Geräte schon abgenommen.

Zum Schluss war alles ganz einfach. Am 12. März, einem Freitag, steuerte Blankenforth mit ihrer Reha-Gruppe nicht die Frauensporthalle an, sondern ging durch eine unscheinbare Tür im Erdgeschoss des Freizeitforums Marzahn. Ein schmaler Gang führte sie an den Ort, der bis dahin das Sorgenkind des Bezirks war: die Frauenfitnessfläche. Mit orthopädischen Übungen auf Matten führten Blankenforth und mit ihr fünf andere Frauen den ersten regulären Kurs durch. 45 Minuten, morgens um 9, dann war alles vorbei. Der BER von Marzahn war endlich seiner Bestimmung übergeben – und damit eröffnet.

Eigentlich hätte das alles 1595 Tage früher stattfinden sollen. Am 23. Oktober 2016 – das alte Bezirksamt unter Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) war noch in Diensten, die Einladung veröffentlicht – war ein Frauensporttag geplant. Mit Grußworten, „Runder-Tisch-Gespräch“ und der Übergabe der neuen „Bewegungs- und Fitnessfläche“ sollte das Projekt Frauensporthalle im Freizeitforum komplettiert werden. Doch kurz vorher kam die Absage: Es tropfte an einem Waschbecken in der Umkleide. Und es blieb nicht bei ein paar Tropfen: Bald hatte die Frauenfitnessfläche ein Brandschutzproblem (im Mehrzweckraum) und ein Schimmelproblem (in der Umkleide). Und je tiefer der „Prüfbiologe“ bohrte, desto mehr Baupfusch kam ans Licht.

Irgendwann im Frühjahr 2017 nahm der damals noch neue Sportstadtrat Lemm die verhängnisvollen Worte in den Mund: „Ich hoffe nicht, das wird ein kleiner BER.“ Das wurde er dann natürlich: Ehe alles saniert werden konnte, begann das Gerangel mit der Versicherung, im Laufe der Zeit gingen auch beteiligte Firmen pleite, bei denen dann nichts mehr zu holen war, es gab immer wieder neue Termine – doch nie eine Eröffnung. Nur eine Zwischennutzung: Kitas und auch eine Sportgruppen konnten den großen Raum schon einmal nutzen. Aber zur Toilette und zum Umziehen mussten sie einmal quer durchs Freizeitforum in die Frauensporthalle laufen. „Man fragt sich, wo die 1000 Tage herkommen“, sagte Stadtrat Lemm bei der Besichtigung am Montag. „Aber es waren auch 1000 Gewerke zu koordinieren.“

Kaum zu glauben: Mit fast viereinhalb Jahren Verspätung wurde nun doch noch alles fertig. Der Verein Fit und Fun Marzahn (FFM) der schon seit Jahren das Programm der Frauensporthalle gestaltet und seit dem 1. Januar auch die Trägerschaft übernommen hat, verbindet damit große Wünsche: Sieben Tage in der Woche sollen die Fitnessgeräte zur Verfügung stehen, alles betreut durch die Übungsleiter:innen des FFM. Der Mehrzweckraum nebenan dient nicht nur dem Reha-Sport und dem Kita-Sport, sondern auch Tanzkursen, Yoga, Pilates und Meditation – und von Freitag bis Sonntag nicht nur für Frauen, sondern Familien. Und eine Ecke mit großem Spiegel an der Wand gibt es auch. „Für die Tiktok-Tänze“, erklärte Blankenforth.

Da geht es dem Verein aber wieder wie dem BER: So wie in den Terminals wegen der Corona-Beschränkungen gerade wenig los ist, wird auch die Frauenfitnessfläche erst einmal nur eingeschränkt zu nutzen sein. Für den Reha-Sport nämlich, der ist erlaubt. Nach Ostern, am 16. April, kündigt Blankenforth an, werde man mit der regelmäßigen Nutzung beginnen. Die Krise setzt auch dem FFM zu: Von mehr als 500 Mitgliedern vor einem Jahr sind nur noch 390 übriggeblieben. Sie sei „optimistisch“, dass es schnell wieder mehr würden, sobald sie wieder alle Kurse anbieten könnten, sagte die FFM-Vorsitzende Brigitte Dame. Die Voraussetzungen sind vorhanden, nicht nur baulich – alle Übungsleiter:innen sind an Bord geblieben. – Text & Foto: Ingo Salmen

  • Den FFF-Countup haben wir im Juli 2017 hier im Newsletter eingeführt: die Tage seit Nicht-Eröffnung. Bei 1595 Tagen endet die Zählung – aber die Aktivitäten der Frauensporthalle werden wir weiter begleiten. Mehr über die Frauenfitnessfläche lesen Sie in den nächsten Tagen auf tagesspiegel.de.

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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf. Mehr davon? Gern: Alle 12 Tagesspiegel-Newsletter für Berlins Bezirke gibt es in voller Länge und kostenlos hier – leute.tagesspiegel.de

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