Kultur

Ostmoderne zwischen Abriss und neuer Wertschätzung

Veröffentlicht am 29.10.2019 von Caspar Schwietering

Berlin-Debatte: Ostmoderne zwischen Abriss und neuer Wertschätzung.Ist das Moderne oder kann das weg?“ lautet der Titel einer Diskussion in Berlin zur Architekturgeschichte des Marzahner Freizeitforums. Am 8. November um 20 Uhr wird dazu die Journalistin Danuta Schmidt, die sich ausgiebig mit der DDR-Moderne beschäftigt hat, mit Wolf Eisentraut, den Erbauer des Freizeitforums, im selbigen sprechen.

Wie schwer es die DDR-Architektur und -Gestaltung nach der Wende in Berlin hatte, zeigt schon ein kurzer Spaziergang über den Alexanderplatz. Am nördlichen Ende des riesigen Areals verrottet langsam das Haus der Statistik. Und der Eingangspavillion des Fernsehturms, der mit seinen charakteristischen dreieckigen Zacken einmal die komplette Gegend südlich des Bahnhofs dominiert hat, kann heute kaum noch wirken, weil ihm ein Einkaufszentrum der hässlichsten Sorte auf die Pelle gerückt ist. Nach dem Masterplan von Hans Kollhoff aus dem Jahr 1993 sollte sowieso der gesamte Platz durch zehn neue Hochhäuser völlig umgeformt werden.

Doch inzwischen hat es ein Umdenken gegeben. Der Ostmoderne wird nun eine gewisse Qualität zugeschrieben. So stehen einige DDR-Gebäude am Alexanderplatz inzwischen unter Denkmalschutz und selbst das Haus der Statistik soll nun wiederhergestellt werden. Es sieht so aus, als habe die Ostmoderne doch eine Zukunft.

Das Marzahner Freizeitforum hat inmitten der Wendezeit sowieso noch einmal eine ganz besondere Geschichte. Denn das Stadtteil- und Kulturzentrum wurde überhaupt erst nach der Wende fertiggestellt. Lange stand der Bau in dieser turbulenten Zeit auf der Kippe. Im Gespräch am 8. November soll es nun darum gehen, wie das Team um Wolf Eisentraut damals geplant hat – und darum, wie Architektur in der DDR umgesetzt wurde. Eisentraut wird aber auch erzählen, wie es ihm gelang, seine Ideen auch nach dem Ende der DDR zu verwirklichen. Und das bis hinein in den heutigen Tag. Denn 30 Jahre nach Wende wurde das Freizeitforum mit dem begrünten Dachgarten in seiner ursprünglich geplanten Form vollendet (wenn man einmal von den ständigen Reparaturarbeiten absieht).

Für die Veranstaltung in der Bezirkszentralbibliothek „Mark Twain“ wird um eine Anmeldung auf dieser Seite gebeten. Oder telefonisch unter: (030) 54 704 142. Marzahner Promenade 55, Haltestelle: Freizeitforum. – Text: Caspar Schwietering
+++
Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de.
+++
Meine weiteren Newsletter-Themen aus Marzahn-Hellersdorf. +++ Im Streit um die Feuerwache Mahlsdorf sieht der Bezirk die Innenverwaltung am Zug +++ Drei Freibad-Standorte sind noch im Gespräch – doch bis jemand schwimmt, werden noch viele Jahre vergehen +++ Endlich auch Carsharing in Marzahn-Hellersdorf +++ Warum baut der Bezirk noch Kunstrasenplätze mit Granulat? +++ Der Bezirk bekommt vier Mitarbeiterinnen, um den Mietendeckel umzusetzen +++ Das sagt ein Schiedsrichter zum Streik+++Ist das Freizeitforum ein herausragendes Monument der DDR-Moderne?+++Für die Wuhlebrücke kommt eine Machbarkeitsstudie +++ Den Newsletter gibt es in voller Länge und kostenlos unter leute.tagesspiegel.de.

Anzeige