Kultur

Öffnung der Büchereien nicht in Sicht

Veröffentlicht am 09.02.2021 von Ingo Salmen

Berlins öffentliche Bibliotheken werden vorerst wohl weiter geschlossen bleiben. Darauf deutet ein Beschluss der Bezirksstadträt:innen und des Vorstands der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) vom Freitag hin, der dem Tagesspiegel vorliegt. Am Montagmorgen schickte Mittes Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) einen entsprechenden Forderungskatalog an Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Weißler nannte das etwas diplomatischer „Hinweise“, doch die Botschaft ist klar: Lasst uns den Freiraum, die Ausleihe so zu organisieren, wie wir es am besten können; entlastet und schützt unser Personal – und gebt uns ausreichend Vorbereitungszeit. Am Dienstagmorgen berichtete der Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint darüber – und die Forderung einer Bürgerinitiative, die Bibliotheken zu öffnen, wenn Buchhandlungen doch auch nicht geschlossen werden.

Konkret sind in der Mail an Lederer fünf Punkte aufgelistet:

  1. Eine Wiedereröffnung soll nur mit einem Vorlauf von einer Woche ab Inkrafttreten einer neuen Corona-Verordnung erfolgen.
  2. Alle Bibliotheken öffnen gleichzeitig.
  3. Jede Bibliothek soll das Angebot nach ihren Möglichkeiten gestalten: „Wir bitten darum, dass auf die Festlegung eines bestimmten Modells (z.B. nur ‚Supermarkt‘ oder nur ‚Apotheke‘ etc.) verzichtet wird.“
  4. Die Beschäftigten sollen als „systemrelevant“ anerkannt werden, sodass sie ihre Kinder in der Kita abgeben können.
  5. Außerdem sollen die Beschäftigten „bevorzugt geimpft“ werden.

ZLB und Bezirke wollen mit diesem Vorstoß „vermeiden, dass es in der Zukunft zu Entscheidungen kommt, die möglicherweise nicht von alle Bibliotheken erfüllt werden könnten“. Damit spielt Weißler auf den bisher letzten Beschluss an: Vor knapp drei Wochen hatte der Senat sich noch ausdrücklich dafür ausgesprochen, die Bibliotheken offen zu halten, allerdings vom Supermarktmodell auf ein Abholungsmodell umgestellt. Die Besucher:innen sollten nicht mehr selbst zu den Regalen gehen, sondern die bestellten Bücher am Tresen ausgehändigt bekommen. Zwei Tage später teilten Bezirke und ZLB einmütig mit, dass sie das kurzfristig nicht umsetzen könnten – und machten die Häuser kurzerhand bis zum 14. Februar dicht. Mindestens.

„Nummer 5 ist Blödsinn“, war nun aus einem Bezirk zu dem Forderungskatalog zu hören, schließlich gibt es bundesweit festgelegte Impfprioritäten, die nicht so leicht geändert werden dürften, nur um das Ausleihen von Büchern zu ermöglichen. Im Grunde soll der Beschluss aber einmütig gefasst worden sein. „Eine zeitnahe Öffnung ist nicht absehbar“, erklärte Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) auf Anfrage. Sie teile den Schutz der Beschäftigten als leitenden Gedanken, sehe aber in der Schließung aller Kultureinrichtungen ein „äußerst trauriges Signal“. Die Einrichtungen seien weder überlaufen, noch sei der öffentliche Nahverkehr dadurch verstopft gewesen. „Die Hygieneregelungen waren im Oktober gut und werden es auch wieder sein“, sagte die Stadträtin. „Dass die Schließung der Kultureinrichtungen ein wirksames Mittel gegen die Infektionen der Senioren ist, ist auch nirgends ansatzweise belegt.“ Witts Hoffnung: dass „ab Ostern“ wieder Kultur draußen möglich sein wird.