Macher

Die Mahlsdorfer Pinkelposse

Veröffentlicht am 05.12.2017

Zwei Jahre mussten sie warten, ein halbes Jahr Extra-Bauzeit eingerechnet, doch nach den Sommerferien waren alle an der Mahlsdorfer Grundschule ganz selig: Endlich konnten sie die neuen Turnhallen in Beschlag nehmen und wieder ganz normalen Sportunterricht anbieten. Wie ein „L“ stoßen sie aufeinander, im Winkel ein Trakt mit gemeinsamen Umkleiden und Toiletten. „Alles so, wie man’s haben will“, schwärmt Elternsprecher Stefan Suck. Doch nun droht Ungemach: Seit Oktober dürfen abends auch Sportvereine in die Halle – und beschwerten sich gleich über ein Urinal für Jungs in der Behindertentoilette, wie Lorenz Maroldt am Donnerstag in unserem Berlin-Newsletter „Checkpoint“ berichtete. Für weibliche Mitglieder sei das „unzumutbar“, die Folge: Das Pinkelbecken soll wieder herausgerissen werden.

Ganz so war’s nicht, aber das macht die Sache nicht besser: Es gibt nämlich zwei solcher Toiletten, in beiden hängt ein Pissoir, und in einer hängt es richtig. „Die beiden Toiletten sind keine Behinderten-WC, sondern barrierefreie Sportler-WC“, schreibt Gordon Lemm (SPD), Stadtrat für Schule und Sport. „Sie sollen von allen genutzt werden.“ Weder in der Jungenumkleide, noch im Putzmittelraum sei Platz für ein Urinal gewesen, deshalb sollte von den barrierefreien Toiletten eine für Damen und eine für Herren ausgewiesen werden, wobei natürlich nur Letztere ein Pissoir bekommen sollte. Das war auch alles geklärt mit Bauverwaltung, Senatsverwaltung und Behindertenbeauftragtem, es gab zwei Abstimmungsrunden. Doch dann sei die Entscheidung „eigenmächtig ignoriert und außer Kraft gesetzt worden“ – mit dem bekannten Ergebnis. Aus Sicht der Senatsverwaltung für Sport sei es aber für den Vereinssport „nicht akzeptabel“, dass es kein barrierefreies Damenklo gibt, das auch so aussieht, weshalb das nun „korrigiert“ werde.

Korrigiert hat Lemm dann aber eine andere Entscheidung. Nämlich das Urinal wieder abzubauen. Das darf jetzt erst mal hängenbleiben, teilte er am Mittwoch mit. Er will nun abwarten, ob es überhaupt ernsthafte Beschwerden gibt und wie viele. Ob sie nun auch noch die Schilder für Frauen und Männer abnehmen? Dann hätte Mahlsdorf seine ersten beiden Unisex-Toiletten. Ingo Salmen