Namen & Neues

Solidarität mit den japanischen Kirschbäumen

Veröffentlicht am 27.03.2018 von Ingo Salmen

Wir wissen bis heute nicht, wer vor einigen Wochen in die Gärten der Welt eingebrochen ist und haufenweise Kirschbäume flachgelegt hat. Auch über das Motiv können wir nur Mutmaßungen anstellen, da es kein Bekennerschreiben oder was auch immer gibt. War es nur die sinnfreie Lust an der Zerstörung, etwa von gelangweilten bis übermütigen Jugendlichen (möglich, aber unwahrscheinlich)? Oder sollte es eine Form des politischen Protests sein, gegen die Kommerzialisierung der Natur ganz generell oder das Beweidungsprojekt der Grün Berlin auf der anderen Seite des Zauns ganz speziell (durchaus plausibel, aber eben unbewiesen).

Wer auch immer die Zierkirschen gefällt hat und was auch immer er damit bezwecken wollte – fest steht jedenfalls das: Die Solidarität der Bevölkerung hat er nicht gewonnen. Ob in Online-Kommentaren, sozialen Netzwerken oder im persönlichen Gespräch: Überall herrscht Entsetzen, nirgendwo gibt es Verständnis. Diese Reaktion wird noch dadurch verstärkt, dass es sich bei den Bäumen um einen Teil einer Spende von japanischen Bürgern handelte, aus Freude über den Fall der Mauer. Selbst Kinder hatten damals auf ein paar Yen ihres Taschengeldes verzichtet (hier die ganze Geschichte). Damit ist die im Weltmaßstab geringfügige Tat plötzlich auch ein Thema für die internationale Diplomatie. „Sehr, sehr schade“ seien die Fällungen, sagte mir ein Vertreter der Japanischen Botschaft – und verwies auf die Liebe seiner Landsleute zu Kirschbäumen und ihr harmonisches Verhältnis zur Natur.

Die Bezirkspolitik sendet nun ein Signal: Beinahe einstimmig beauftragten die Verordneten am Donnerstag das Bezirksamt, eine Belohnung für Hinweise auszusetzen, die zur Aufklärung der Tat führen. Verwirrung gab es nur deshalb, weil jeder bei dem CDU-Antrag gleich an eine höhere Geldsumme dachte und an mögliche Folgen für den Bezirkshaushalt. Art und Umfang der Belohnung soll jedoch das Bezirksamt festlegen, stellte Fraktionschef Alexander J. Herrmann klar – neben Barem könnten es auch ein Händedruck der Bürgermeisterin oder ein Frühstückskorb sein. Das mag drollig klingen, doch die Richtung stimmt: Der Bezirk sollte selber einen erheblichen Beitrag dazu leisten, den Schaden zu beheben. Aus Japan ist kein Geld zu erwarten, die Grün Berlin will zwar schnell neue Bäume pflanzen, aber kann nicht alle auf einmal finanzieren. Deshalb wären Spenden aus der Bevölkerung und von Firmen ein starkes Zeichen.

Bleibt nur noch eine Frage: Wann schaltet sich Heiko Maas ein?

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