Namen & Neues

Wie dramatisch der Personalmangel im Bezirksamt ist

Veröffentlicht am 02.05.2018 von Ingo Salmen

Mit einer fast beiläufigen Bemerkung hat Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) am Donnerstag klargemacht, wie sich die Fachkräftesituation am Arbeitsmarkt auf die Verwaltung von Marzahn-Hellersdorf auswirkt. Seit Jahresbeginn habe das Bezirksamt mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch Pensionierung verloren als neue eingestellt, sagte sie in der Bezirksverordnetenversammlung. Neue Stellen seien wichtig, aber die größte Herausforderung bestehe darin, sie überhaupt besetzen zu können. Im Ringen um Personal konkurriert das Bezirksamt mit Bundes- und Landesbehörden sowie elf anderen Bezirken in Berlin. Die Neigung von Bewerbern, sich ausgerechnet für Marzahn-Hellersdorf zu entscheiden, dürfte nicht sehr ausgeprägt sein.

Der Mangel birgt nicht zuletzt Risiken für den Schulbau. „Wenn wir es nicht schaffen, da mit mehr Dynamik ranzugehen, droht die Berliner Schulbauoffensive zu scheitern, bevor sie gestartet ist“, sagte Immobilienstadträtin Juliane Witt (Linke) auf SPD-Anfrage. Das Stellenwachstum im Bauamt könne kaum mit der steigenden Zahl an Aufgaben mithalten. Witt illustrierte das mit drei Zahlen: Früher habe das Bauvolumen in der Regel bei elf Millionen Euro gelegen, aktuell seien es 30 Millionen, für das Jahr 2021 seien sogar 85 Millionen prognostiziert.

Zwar sei bisher kein Vorhaben wegen Personalmangels nicht fertiggestellt worden. Allerdings sei zu prüfen, was die Verwaltung in Zukunft noch leisten kann, sagte Witt – und bezog auch die Sanierung des Rathauses Marzahn ein. Neuanmeldungen zum Stadtumbau Ost seien schon jetzt nicht mehr möglich. Wie die Schulbauoffensive, wenn alles glatt läuft, voranschreiten soll, lässt sich jetzt übrigens einer neuen Übersicht entnehmen. Das Land hat einen „Schulbaufahrplan“ veröffentlicht, der (wenn auch mit Lücken) die Maßnahmen der Bezirke einschließt. Schule für Schule lässt sich nun ablesen, was wann vorgesehen und wer zuständig ist. Zu den Übersichten geht’s hier.

Ein Opfer des Mangels ist die Kolibri-Grundschule. Wegen eines Schadens (Höhe: 110.000 Euro) ist die Turnhalle der Hellersdorfer Schule derzeit teilweise gesperrt. „Nicht zuletzt wegen der Kapazitätsfragen im Baubereich“, teilte Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) am Donnerstag mit, „ist nicht absehbar, wann mit der Sanierung begonnen werden kann.“

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