Namen & Neues

Czaja und Grütters pokern um die Macht

Veröffentlicht am 05.06.2018 von Ingo Salmen

Mitten in die Bezirksverordnetenversammlung platzte am Donnerstag eine Nachricht aus dem Abgeordnetenhaus: CDU-Fraktionschef Florian Graf hatte wegen eines lukrativen Jobangebots überraschend sein Amt niedergelegt. Umgehend entwickelte sich ein Poker um die Macht in der Union. Einige einflussreiche Kreischefs verständigten sich am Freitag schnell auf Mario Czaja als neuen Mann an der Fraktionsspitze und ließen das an die Öffentlichkeit durchsickern – als die Landesvorsitzende Monika Grütters in ihrer Tätigkeit als Kulturstaatsministerin des Bundes gerade in Paris weilte. Grütters hatte sich jüngst eine Bewerbung um das Amt der Regierenden Bürgermeisterin im Jahr 2021 offengehalten. Ins Rote Rathaus strebt auch Czaja, der in einem Brief an seine Fraktionskollegen allerdings betonte, die Entscheidung über den Posten sei keine Festlegung für die Spitzenkandidatur in drei Jahren. Er wolle die CDU „zusammen mit unserer Landesvorsitzenden“ zur führenden Kraft machen.

Im Bezirk sind die Machtverhältnisse längst geklärt. Czaja, vor Ort ständig präsent, holte bei der Berlinwahl 2016 in Mahlsdorf und Kaulsdorf berlinweit herausragende 47 Prozent. Grütters, nur selten zu sehen, kam als Direktkandidatin für Marzahn-Hellersdorf bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr lediglich auf 22 Prozent. Der Ex-Senator weiß um diesen Rückhalt, der ihm auch in der Landes-CDU zu Stärke verhilft. Vieles lief deshalb auf ihn als neuen Fraktionschef hinaus. Am Dienstag aber steckte Czaja noch einmal zurück. Grütters hatte auf den innenpolitischen Sprecher Burkard Dregger gesetzt, der ihr weniger im Weg stehen dürfte als Czaja. Und der ließ sich darauf ein. In einem Dreiergespräch verständigten sie sich darauf, dass der Reinickendorfer die Spitze übernehmen soll und Czaja sein Vize wird. Der Wahlkämpfer aus Mahlsdorf kann warten. Eine Vorentscheidung für das Ringen ums Rote Rathaus, das hatte er am Wochenende selbst geschrieben, ist damit nämlich noch nicht gefallen.

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