Namen & Neues

Highway to Hellersdorf - Die Radbahn U5

Veröffentlicht am 11.09.2018 von Paul Lufter

Im Moment läuft bei uns ja das Projekt „Radmesser“, über das mein Kollege Ingo Salmen bereits berichtete. Aber wie sieht es eigentlich in Marzahn-Hellersdorf mit Radwegen aus? Der Kollege Hendrik Lehmann war so freundlich, für jeden einzelnen Bezirk eine Statistik samt Grafik zu erstellen, welche Sie hier sehen können. Rund 51 Prozent der 91 Hauptverkehrsstraßen in Marzahn-Hellersdorf sind demnach mit Radwegen abgedeckt. Damit liegt der Bezirk auf dem drittletzten Platz, hinter den Nachbarbezirken Lichtenberg (ca. 54 Prozent) und Treptow-Köpenick (ca. 53 Prozent). Auf eine Gesamtlänge aller Hauptverkehrsstraßen von 117.182 Kilometer kommen in Marzahn-Hellersdorf 118.261 Kilometer Radwege.

Aktuell werden 17 neue Radwege geplant. Nur zum Vergleich: Bei den Nachbarn in Lichtenberg und Treptow-Köpenick sind es jeweils 21 neue Radwege. Schlusslicht in Sachen Abdeckung der Hauptverkehrsstraßen ist übrigens Pankow mit lediglich 44 Prozent.

„Wenn es um die Planung von Radschnellwegen geht, werden die Ostteile Berlins häufig ausgespart“, so Pascal Grothe. Mit seinem Projekt „Radbahn U5“ soll sich das ändern. Grothe setzt sich für eine Radschnellverbindung entlang der oberirdisch verlaufenden U-Bahnlinie 5 ein. Unter dem Motto „Abseits von Straßen. An der frischen Luft. Im Grünen.“ will er den Streckenverlauf der U5 vom U-Bahnhof Hönow bis zum U-Bahnhof Biesdorf Süd mit einer Radschnellstrecke ausstatten. Viele Lokalpolitiker*innen aus Marzahn-Hellersdorf unterstützen laut Grothe das Projekt.

„Gegenüber Trassen entlang der Landsberger Allee und der B1 bietet die U5 Vorteile“so Grothe. „An der Landsberger Alle und der B1 müssten den Fahrradwegen Fahrbahnspuren weichen, was Konfliktpotenzial birgt. Außerdem sind die Wege nicht wirklich attraktiv“, so Grothe. Prinzipiell wäre er aber natürlich auch für Radschnellwege entlang dieser Trassen. An der U5 gäbe es derartige Konflikte zwischen Fahrrädern und Kraftfahrzeugen jedoch nicht. „Das Gelände ist im Besitz der BVG, was den Prozess vereinfachen sollte“, so Grothe.

Die Strecke wäre außerdem erweiterbar. Zwischen Tierpark und Biesdorf Süd gibt es bereits eine Radstrecke, an die man andocken könnte. „Mit der U5 wäre zudem ein größeres Gebiet angebunden als an der B1 bzw. der Landsberger Allee“, meint Grothe. Nach seiner Vision könnte die Strecke an der Linie S3 weitergeführt werden, wo bereits ein Weg existiert, bis zum Ostkreuz. In Treptow-Köpenick gäbe es zudem ähnliche Planungsansätze, an die man anknüpfen könnte, um so ein ganzes Netz zu spannen.

Bei Bauvorhaben für den Radverkehr ist die Abwehrhaltung größer. Dabei wären derartige Wege auch im Interesse der Autofahrer*innen. „Wir hätten an Ampeln kürzere Rot-Phasen für den Autoverkehr, wenn Fahrräder eine gesonderte Strecke bekämen. Es wäre eine Win-win-Situation“, so Grothe. Bereits im Frühjahr hatte Stefan Zille von den Grünen sich in der Sache mit einer schriftlichen Anfrage an den Senat gewandt. Dort kannte man den Vorschlag noch gar nicht. In einer neuen Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Taschner hielt sich der Senat weiterhin bedeckt, machte jedoch deutlich, dass es bauliche Probleme geben könnte, da die Strecke parallel zu der S- und U-Bahn über die Treskowallee bzw. die Straße Am Tierpark führt. Hier müsste eine Brücke gebaut werden, die laut Senat als schwer umsetzbar eingeschätzt wird.

„Für diese Kreuzung bedarf es einer individuellen Lösung“, meint Grothe. „Ob es nun eine Ampel gibt oder eine Unter- bzw. Überführung ist dabei egal. Es würde an dieser Stelle auch eine Leichtbau-Brücke reichen, da sie ja nur von Fahrrädern genutzt wird. Außerdem bleibt es dabei, wir brauchen sichere Radwege, damit die Leute keine Angst haben, sich mit dem Rad durch die Stadt zu bewegen.“

Um der Idee mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, laufen im Moment Gespräche mit Bezirksstadtrat Johannes Martin (CDU), der von der Idee angetan ist. Es gibt die Überlegung, die Unterführungen auf den bereits vorhandenen Radstrecken neu zu gestalten und dort Grothes Vision vorzustellen. Für die Gestaltung der Unterführungen sucht man im Moment den Kontakt zum Schloss Biesdorf und den dortigen Künstler*innen. Bisher ist jedoch noch nichts entschieden. Falls Sie sich genauer über die Radbahn U5 informieren wollen, können Sie dies auf radbahn-u5.jimdofree.com. Dort finden Sie alle Informationen, den möglichen Streckenverlauf und den aktuellen Stand der Dinge.

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