Namen & Neues

Jessica Bießmann: Das Postergirl der AfD

Veröffentlicht am 16.10.2018 von Ingo Salmen

Myspace beendet Politikerkarriere. Was allenfalls wie eine Nachricht aus den Nullerjahren klingt, könnte im Herbst 2018 Realität werden. Womöglich stolpert die in Marzahn direkt gewählte AfD-Abgeordnete Jessica Bießmann über Fotos, die sie vor Jahren in dem längst veralteten Netzwerk hochgeladen hatte. Darauf ist Bießmann zu sehen, wie sie sich in wechselnden Outfits auf einem Küchentresen räkelt – während im Hintergrund Weinflaschen mit Hitler-Etikett stehen. Der Twitterer @PolitikUndLiebe wies in der vergangenen Woche darauf hin, „Buzzfeed“ griff die Geschichte am Wochenende auf. In der „B.Z.“ versuchte sich Bießmann an einer Erklärung: zehn Jahre her, in der Wohnung eines Freundes in Chemnitz, zu dem sie auch keinen Kontakt mehr habe. Die Flaschen habe sie gar nicht bemerkt. „Ich bedaure, dass es diese Fotos gibt.“

Dafür hat sie auch allen Grund, denn der Berliner AfD-Vorstand beschloss am Montagabend einstimmig, ein Parteiausschlussverfahren gegen Bießmann einzuleiten, wie Sprecher Ronald Gläser am Dienstag mitteilte. Bei Hitler ist also eine Grenze überschritten – dass Bießmann auch sonst zu den Radikalen in der Landespartei gehört, hat bisher niemanden gestört. Nicht zehn Jahre alt, sondern nur Tage sind Facebook-Botschaften wie: „Das Abschlachten muss endlich ein Ende haben!“, Warnungen vor „Islamisierung“ oder die antisemitisch konnotierte Forderung „Soros raus aus Deutschland!“ Die 37-jährige Bießmann gehört zum völkischen Flügel der Partei, sehnt sich nach einer „echten Nationalmannschaft“ und teilt bevorzugt Posts von Björn Höcke, etwa zum „Tabu-Thema AIDS-Import“. Neben Ausflugsfotos vom Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach zeigt sie Bilder von ihrer Teilnahme an einer Pegida-Demo im Mai. Die Bundespartei wünscht das offiziell nicht, auch der Landesverband ist mit seinem moderaten „Berliner Kurs“ dagegen. Konsequenzen hatte es keine für Bießmann.

Sie versuche die Bilder bei Myspace entfernen zu lassen, teilte Bießmann der „B.Z.“ mit. Am Dienstag waren sie immer noch zu sehen. Der Account ist offenbar ihr eigener. Er heißt: „escape4yourlife“.

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