Namen & Neues

CDU will Hochhaus am Kastanienboulevard verhindern

Veröffentlicht am 23.10.2018 von Ingo Salmen

Verträgt ein Problemkiez einen 14-Geschosser? Die CDU zweifelt das an – und geht deshalb im Einklang mit einer Bürgerinitiative gegen ein Neubauvorhaben am Kastanienboulevard vor. Wo jetzt noch eine ehemalige Kaufhalle steht, die in den nächsten Monaten abgerissen werden soll, plant die landeseigene Gesellschaft Gesobau ein Punkthochhaus mit 148 Wohnungen. Etwa die Hälfte davon sollen Sozialwohnungen werden. Beides hält CDU-Fraktionschef Alexander J. Herrmann für problematisch. Als Beleg führte er am Donnerstag in der Bezirksverordnetenversammlung Veröffentlichungen des Landes zum Quartiersmanagement an: Demnach sei der Kiez durch eine „sehr hohe Problemdichte“ gekennzeichnet, bezögen 40 Prozent der Bewohner Transferleistungen, sei die Fluktuation hoch, wachse die Anonymität – und obendrein sei das Viertel durch fünf- bis sechsgeschossige Gebäude geprägt. Das Gesobau-Vorhaben, warnte Herrmann „potenziert die Anonymität auf allen Ebenen“.

Anstelle des hohen Anteils an Sozialwohnungen sei es erforderlich, die „bewährte Berliner Mischung“ im Quartier herzustellen, sagte der Christdemokrat. Nicht einmal die DDR habe an dieser Stelle Hochhäuser errichtet, weil die Idee gewesen sei, die Stadt an ihren Rändern auslaufen zu lassen. „Wir können die Defizite, die das Land Berlin im Wohnungsbau hat, nicht am Kastanienboulevard lösen.“ Dem rot-rot-grünen Senat warf Herrmann vor, seine eigene Klientel zu schützen, indem er Flächen wie das Tempelhofer Feld und den Thälmannpark verschone. Diese Kritik wollt Paul Kneffel nicht unbeantwortet lassen. „Wohnungsbau ja – aber nicht in meinem Wahlkreis“, könne nicht funktionieren, sagte der SPD-Verordnete, ohne auf Herrmanns Sachargumente einzugehen. Das übernahm Linken-Fraktionschef Björn Tielebein. Er wies auf die Argumentation des Stadtentwicklungsamtes hin, das ein Punkthochhaus vorzieht, weil der Bauherr ansonsten mit dem Projekt in die Breite gehen würde, um dieselbe Zahl an Wohnungen zu verwirklichen – auf Kosten von Freiflächen. Über den Anteil an Sozialwohnungen müsse man aber reden.

Was kiezverträglich ist, wollen die Bezirksverordneten nun im Stadtentwicklungsausschuss diskutieren. „Hier baut kein böser Spekulant“, betonte Herrmann, „hier lässt die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gesobau bauen – da haben wir eine politische Verantwortung.“