Namen & Neues

Kastanienboulevard: "50 Prozent geförderte Wohnungen sind richtig"

Veröffentlicht am 04.12.2018 von Ingo Salmen

Die SPD hat einen neuen Blick auf das Hochhaus-Projekt am Kastanienboulevard gewonnen – und bringt auch neue Aspekte in die Debatte ein. Wie zuvor angekündigt, haben mehrere Sozialdemokraten kürzlich an einem Infostand den Kontakt zu Anwohnerinnen und Anwohnern gesucht. Etwa 15 bis 20 Gespräche hätten sich ergeben, berichtet der Abgeordnete Sven Kohlmeier. Der Tenor zum geplanten 14-Geschosser der Gesobau: „Der größere Teil war eher ablehnend.“ Allerdings würden viele lieber ein Hochhaus sehen als ein flacheres Gebäude, das dafür weitere Freiflächen zustellt. Kohlmeier leitet daraus den Vorschlag ab, die Höhe des Hauses zu reduzieren oder sie wenigstens zu kaschieren. Er denkt etwa an einen Zehngeschosser mit zusätzlich zwei Staffelgeschossen.

Eine weitere Erkenntnis: Ein Großteil der Anwohnerinnen und Anwohner will am liebsten überhaupt keine Sozialwohnungen in dem Gebäude, wie Kohlmeier erzählt. Der Sozialdemokrat sieht hier vor allem eine Schieflage in der öffentlichen Diskussion. „Es geht nicht um Sozialwohnungen, sondern um vom Senat geförderte Wohnungen“, sagt Kohlmeier. Ihm kommt es auf die Netto-Kaltmiete an, die damit verbunden ist: 6,50 Euro pro Quadratmeter. Sie liege über dem üblichen Preis am Kastanienboulevard, weshalb sie das Viertel stützen und aufwerten könnten. Kohlmeier sagt deshalb: „50 Prozent geförderte Wohnungen halte ich für richtig.“

Wer erst einmal ins Gespräch kommt, stößt oft auch auf die kleinen Ungereimtheiten. Im Fall des Gesobau-Projektes hätten sich viele darüber gewundert, warum im Erdgeschoss ein Kiezcafé entstehen solle, obwohl es doch in der Nähe schon ein ähnliches Angebot des Quartiersmanagements gebe. Kohlmeier befürwortet daher eine andere Idee: eine kommunale Bibliothek. Ganz grundsätzlich meldet Kohlmeier aber Zweifel an der bei solchen Projekten praktizierten Bürgerbeteiligung an. Echte Mitsprache sei nun mal faktisch und rechtlich nicht möglich, dann sollte man auch nichts anderes suggerieren – was er aber Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) unterstellt. Kohlmeier: „Die Bürger wollen keine Placebo-Veranstaltung.“

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