Namen & Neues

Streetworker finden nur schwer Zugang zu Jugendgruppen

Veröffentlicht am 02.04.2019 von Corinna Segelken

Seit der Tagesspiegel vor anderthalb Wochen über die Jugendgangs rund ums Eastgate berichtet hat, ist das Thema Stadtgespräch. Jetzt hat sich auch der RBB auf der Marzahner Promenade umgehört. „Sie hängen hier rum, pöbeln Leute an“, sagte ein Mann am Sonntag in einem „Abendschau“-Beitrag. „Und wenn die Polizei weg ist, sind sie wieder da.“ Eine Frau hält ihre Tasche lieber richtig fest, wenn sie über die Marzahner Promenade geht. „Die spucken auf die Treppen“, klagte eine andere Passantin. „Ich sag‘ mal: Benehmen gleich null.“ Es gebe „’ne Handvoll Jungs, die für jeden Stress zu haben sind“, sagte Sozialarbeiter Uwe Heide vom Verein Gangway. „Wenn die Konstellation eben so ist, dann gibt es halt ganz schnell eine ganz negative Gruppendynamik, wo alles passieren kann.“ Sein Rezept: „Angebote machen, aber auch konsequente Umsetzung von unseren Regeln hier“.

Uwe Heide und sein Kollege Thomas Mehwald sind für den Bezirk im Einsatz. Doch sie haben Schwierigkeiten, einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden, wie Jugendstadtrat Gordon Lemm (SPD) in der „Abendschau“ erläuterte. Die Streetworker müssten Beziehungen aufbauen, was ohnehin ein „langwieriger Prozess“ sei. Das Gespräch mit einzelnen Jugendlichen sei wichtig. Lemm erkennt aber Fortschritte, durch den „konsequenten Einsatz der Polizei“: „Die ganz großen Ansammlungen von 20, 30 Kids gibt’s jetzt nicht mehr. Sie sind in kleinere Gruppen aufgespalten, was für uns auch gut ist, weil man Beziehungsarbeit leisten kann.“ Der Stadtrat sprach sich für eine Mischung von Repression und Prävention aus. „Wenn Straftaten begangen werden, muss hart durchgegriffen werden, selbstverständlich“, sagte er. „Aber es sind erst mal auch Jugendliche, die nach irgendeiner Orientierung, irgendeinem Platz suchen. Hier müssen wir Angebote schaffen.“ Es gebe Angebote, wie Jugendklubs in der Nähe, doch es seien mehr nötig. Welche das sein könnten und wer sie schaffen soll, sagte Lemm nicht.

Dem Stadtrat zufolge handelt es sich etwa zur Hälfte um Jugendliche aus Flüchtlingsunterkünften im Bezirk und zur anderen Hälfte um welche, die sich früher am Alexanderplatz trafen. Die Volkssolidarität betreibt in Marzahn-Hellersdorf  eine Notunterkunft für Geflüchtete im Brebacher Weg sowie eine Gemeinschaftsunterkunft in der Bitterfelder Straße. In diesen Einrichtungen sei man bisher nicht mit gefährlichen Jugendlichen rund um das Eastgate konfrontiert gewesen, und auch die Besucher*innen hätten noch nicht von derartigen Vorkommnissen berichtet, berichtet Sprecherin Helga Kray auf Tagesspiegel-Anfrage. „Wir kriegen nichts davon mit.“

Ähnliches gelte für das Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte an der Marzahner Promenade, welches ein Anlaufpunkt für Geflüchtete ist. Kray führt dies auf die unterschiedliche Klientel zurück. Trotz der räumlichen Nähe zum Eastgate sei die Besucher*innenstruktur eine andere. Überwiegend besuchten Erwachsene, die Beratung wünschen, das Stadtteilzentrum. Die persönliche Einschätzung der Sprecherin: „Einkaufszentren sind ein häufiger Treffpunkt und Aufenthaltsort für Jugendliche. Dies ist auch am Alexanderplatz zu sehen – doch etwas weiter an der Friedrichstraße bekommt man davon nichts mit.“ Genauso sei es auch an der Marzahner Promenade.