Namen & Neues

Außenminister Lindemann und die Le-Pen-Enkelin

Veröffentlicht am 23.04.2019 von Ingo Salmen

Der Marzahner AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann ist einer von mehreren Bundes- und Landespolitikern seiner Partei, die regelmäßig nach Russland und auch in den besetzten Teil der Ukraine reisen. Damit legitimieren sie die völkerrechtswidrige Politik von Wladimir Putin auf der Krim, wie meine Kollegin Claudia von Salzen schreibt. Sie hat die diversen und oft dubiosen Trips der AfD-Politiker im Tagesspiegel dokumentiert. Als der Artikel am Donnerstag erschien, weilte Lindemann gerade bei einer Konferenz in Jalta. Von dort twitterte er ein Bild, das ihn mit Marion Maréchal zeigt, Enkelin von Jean-Marie Le Pen und Galionsfigur der Neuen Rechten in Frankreich, die sich von Maréchal ein besseres politisches Marketing ohne die Holocaust-Leugnungen ihres Großvaters erhofft. Für Lindemann könnten sich solche Treffen doppelt auszahlen: Er verbündet sich mit jenen Kräften, die die liberalen Demokratien in Westeuropa abschaffen wollen, und spricht zugleich die Putin-Freunde unter den russlanddeutschen Wählern in Marzahn an.

Die 29-jährige Maréchal, einst jüngste Abgeordnete der Nationalversammlung, zog sich im vergangenen Jahr vorerst aus der aktiven Politik zurück und gründete eine rechte Kaderschmiede in Lyon. Beraten lässt sie sich dabei von jenem Mann, der die radikale Agenda von Donald Trump formulierte: Stephen Bannon. Da schließt sich der Kreis: Die AfD plant derzeit eine Konferenz mit dem ehemaligen Chefstrategen des US-Präsidenten im Bundestag, wie „Spiegel Online“ berichtete. Die allen gemeinsame Stoßrichtung hat Lindemann in seinem Tweet mit Maréchal schon kundgetan: „gegen die Diktatur aus Brüssel“.

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