Namen & Neues

Was die BVG zur Verkehrslösung Mahlsdorf andeutet

Veröffentlicht am 07.05.2019 von Ingo Salmen

Eines machte auch ein hochrangiger Vertreter des Öffentlichen Personennahverkehrs gleich zu Beginn deutlich. „Es wird mit Sicherheit keine Stadt geben ohne Autos“, sagte Rainer Paul, im Vorstandsstab der BVG unter anderem für Marzahn-Hellersdorf zuständig. „Unser Ziel ist es, ein Angebot zu machen – damit jeder das Auto so nutzen kann, wie er es möchte.“ Entscheidend für eine bessere Mobilität am Stadtrand sei nicht ein starrer Linienverkehr, sondern eine flexible Gestaltung der „letzten Meile“ von Bahnhof oder Haltestelle zur Wohnung oder zum Arbeitsplatz. Das sagte Paul am Montagabend bei der Eröffnung des neuen Bürgerbüros des CDU-Kreisverbands in der Hönower Straße 67 in Mahlsdorf.

Während im Garten über Verkehr geplaudert wurde, quälte sich vor der Tür der Berufsverkehr durch den Ortskern. Natürlich kam da auch die Verkehrslösung Mahlsdorf zur Sprache. Und während er eingangs so klar war, fielen hier interessante Zwischentöne des ÖPNV-Manns auf. Die BVG braucht die gerade Verbindung ohne große Verschwenkungen durch die Hönower Straße – das war bisher die klare Ansage der Senatsverwaltung für Verkehr, die deshalb den Autoverkehr über die Straße An der Schule leiten will. „Ich habe den Eindruck, es stockt dort ein bisschen“, kommentierte Paul die Arbeit der Verkehrsverwaltung, die das Verfahren steuert. „Dieses Taktieren zwischen einzelnen Varianten hilft keinem.“ Für Mahlsdorf sei es wichtig, dass es jetzt vorangehe. Das sagt auch die Senatsverwaltung, doch Paul wich in einem Punkt davon ab. „Betriebswirtschaftlich ist es für uns besser, wenn wir geradeaus fahren“, sagte er. Wenn die Straßenbahn aber an der Oberschule entlanggeführt werde, werde die BVG „daran nicht zu Grunde gehen“. In beiden Varianten sei ohnehin der Bereich um den Bahnhof Mahlsdorf der Engpass. Paul sagte aber auch, dass mit Kurvenfahrten mehr Lärm und Verschleiß einhergingen.

Das Problem: Damit hat der BVG-Vertreter im Grunde wieder die Debatte um die beiden Varianten eröffnet, die Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) vor einigen Monaten mit ihrer Absage an eine weitere Mitarbeit im Planungsbeirat zu den Akten legen wollte. Denn klar ist auch: Selbst wenn es keine weiteren Debatten gibt, ist nicht vor 2025 oder 2026 von einer Fertigstellung der Maßnahme auszugehen, wie CDU-Kreischef Mario Czaja vorrechnete. Paul entgegnete, im Interesse der Fahrgäste dürfe es nicht so lange dauern, bis eine Lösung komme. Wichtig sei es, auf politischer Ebene Druck zu machen, dass es schon in ein oder zwei Jahren Verbesserungen gebe. Was das sein könnte, ließ der BVG-Mann offen. Seine Botschaft lautete jedoch: Alle Seiten sollten zu Kompromissen bereit sein.

Schnelle Verbesserungen hält er auch anderswo für geboten. „In den letzten sieben Jahren haben wir nicht einen Meter Busspur hinzubekommen“, klagte Paul. In Marzahn-Hellersdorf sei es dringend erforderlich, auf der Köpenicker Straße eine Spur für den Linienverkehr einzurichten. „Da fährt ein X-Bus, der soll beschleunigt werden, aber steht im Stau hinter Autos, in denen eine Person sitzt.“ Am Ende würden die übrigen Fahrgäste auch noch aufs Auto umsteigen und alle noch viel mehr im Stau stehen. Durch den Nahverkehrsplan habe die BVG im Übrigen den Auftrag erhalten, die vermehrte Einführung des Zehn-Minuten-Takts zu prüfen, ergänzte Paul. Denkbar sei das bei der Linie 195, damit solle dann auch nicht bis zum Fahrplanwechsel gewartet werden. Es gebe jedoch auch Busverbindungen, wo es mangels Nachfrage weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sei, eine Verdichtung vorzunehmen. Paul warb auch um Verständnis: „Wir brauchen einfach Zeit.“ Allein 2019 müsse die BVG 1100 Busfahrer und Werkstattkräfte einstellen.

Und was ist mit dem Berlkönig? Da machte Paul zwischen den Zeilen Hoffnung, dass es noch in diesem Jahr eine Ausweitung des Tests auf den Stadtrand geben könnte. Bisher ist der Ridepooling-Dienst von BVG und Daimler, eine Mischung aus Anrufsammeltaxi und Mitfahrzentrale, nur im östlichen Innenstadtbereich unterwegs. Seit Herbst 2018 wird der Berlkönig dort durchaus erfolgreich getestet. Derzeit gebe es Überlegungen, wie nach dem einjährigen Probebetrieb weiter verfahren werden könnte, sagte Paul auf Tagesspiegel-Nachfrage. Der Berlkönig gehöre „nicht in die Innenstadt, sondern in die Fläche“, erklärte er. Festlegen, dass genau dieses Modell in die Außenbezirke kommt, wollte der BVG-Vertreter sich aber nicht. Denkbar seien auch andere Modelle wie ein Rufbus.

Mit dem U-Bahnhof Prinzenallee ist auch für den neuen „Mobilitätshub“ namens Jelbi erst einmal wieder die Innenstadt für einen Versuch ausgewählt worden. Dieses Angebot soll die BVG auch mit privaten Anbietern von Leihfahrrädern und Carsharing vernetzen. Das ist der Knackpunkt: Für die Außenbezirke waren die bisher nicht zu gewinnen. Paul sieht dort Handlungsbedarf – ansonsten würden Dienste wie Uber zu wenig sozialen Bedingungen in die Lücke vorstoßen. „Wir werden Alternativangebote zum Linienverkehr in den nächsten Jahren vorlegen.“ Czaja allerdings macht sich wenig Hoffnung, dass nach der Fusion der großen Angebote von Daimler und BMW, Car2Go und Drive Now, zum gemeinsamen Dienst Share Now eine Ausweitung auf den Stadtrand zu erwarten ist. Was kein gutes Zeichen ist: Für Montagabend war auch die Leiterin der BMW-Konzernrepräsentanz in der Hauptstadt, Nicola Brüning, zur Diskussion angekündigt. Doch sie hatte den Termin schlicht vergessen.

Foto: Paul Zinken/dpa

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Dieser Text ist zuerst im neuen Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf erschienen, den wir Ihnen einmal pro Woche zusenden. Den Newsletter von Ingo Salmen können Sie ganz unkompliziert und einfach bestellen unter leute.tagesspiegel.de.

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