Namen & Neues

Kitaträger sieht sich in ein falsches Licht gerückt

Veröffentlicht am 14.05.2019 von Ingo Salmen

Ein Traum für alle Bauherren und -damen: Nur 14 Tage soll es dauern, bis der Rohbau steht, wenn im Oktober oder November die Arbeiten an der neuen Kita in der Kaulsdorfer Fichtenstraße beginnen. Das muss auch nicht weiter verwundern, denn der Träger heißt „Traumzauberland“. Geschäftsführerin Iris Kolbe kündigt im Gespräch mit dem Tagesspiegel an, dass die Kita im August 2020 fertig sein soll. Die Zeit zwischen Errichtung in Modulbauweise und Eröffnung werde für den Innenausbau benötigt. Der Erbpachtvertrag für das Grundstück mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH sei unterschriftsreif und solle noch in diesem Monat unterzeichnet werden. Dann ginge auch umgehend der Bauantrag für die Drei-Millionen-Euro-Investition ans Bezirksamt. 80 Plätze sollen in der Fichtenstraße entstehen – doppelt so viele wie im Köpenicker Innovationspark Wuhlheide, wo der Träger bekanntlich zum Jahresende eine Kita schließen muss, weil das Gebäude abgerissen werden soll.

Der Träger sieht sich derweil in ein falsches Licht gerückt. Der Bürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), hatte vor zwei Wochen auf Tagesspiegel-Anfrage erklärt, eine Kita im Innovationspark sei „von Anfang an rechtlich ausgeschlossen“ gewesen, weil es sich um ein Gewerbegebiet handle – und beim Traumzauberland nicht etwa um einen Betriebskindergarten. Treptow-Köpenick habe dem Träger im Jahr 2013 in einer „Notsituation“ geholfen und übergangsweise Räume „für den absehbaren Umzugszeitraum in den Neubau des Kitaträgers in Marzahn-Hellersdorf zur Verfügung gestellt“. Dabei habe der Bezirk seinen Ermessensspielraum „grenzwertig“ ausgereizt, was dem Träger auch jederzeit bekannt gewesen sei.

„Wir hatten keine Notsituation“, sagt Kolbe hingegen. Die habe es lediglich in der Kinderbetreuung in Berlin gegeben. Schon damals sei die Warteliste beim „Traumzauberland“ lang gewesen, erklärt die Geschäftsführerin. Als man dann erfahren habe, dass der Innovationspark Wuhlheide gern eine Kita ansiedeln würde, habe man den Kontakt aufgenommen und sich darum beworben. Eine Begehung mit der Bauaufsicht habe dann jedoch ergeben, dass die Räumlichkeiten statt der erforderlichen 2,50 Meter nur 2,47 Meter hoch seien. Wegen drei Zentimetern seien die Räume für den dauerhaften Betrieb „unzumutbar“, weshalb es nur eine auf fünf Jahre befristete Genehmigung gegeben habe.

Ein Drittel der Kinder seien anfangs auch aus den umliegenden Betrieben gekommen, erzählt Kolbe. Die damalige Geschäftsführung habe seinerzeit Grundstücke in Erbpacht in Aussicht gestellt, um eine neue Kita zu errichten. Schließlich habe der Innovationspark attraktiv sein wollen. „Die sollte bis 2016 fertig sein.“ Auch von Igel habe es zunächst keine Einwände gegeben. Dann jedoch habe das Jugendamt erstmals auf die Problematik hingewiesen, dass es sich um ein Gewerbegebiet handle. Nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des Innovationsparks habe der Kita-Träger Anfang 2016 eine Absage bekommen. Erst dann, betont Kolbe, sei überhaupt die Idee entstanden, nach Marzahn-Hellersdorf zu ziehen.

Gern hätte Kolbe das Traumzauberland in Köpenick bis zur Fertigstellung der neuen Kita in der Fichtenstraße offengehalten. Dass das Gebäude tatsächlich, wie angekündigt, Anfang 2020 abgerissen werde, glaubt sie nicht. Anders als von Igel berichtet, habe sie erfahren, dass der Auftrag für den Abriss noch gar nicht erteilt sei. Und angesichts der Auftragslage seien Firmen kaum so schnell zu bekommen. Kolbe vermutet einen anderen Grund, warum das Traumzauberland Ende 2019 schließen soll: Eine erneute Verlängerung des Vertrags könnte ein Gewohnheitsrecht begründen, sodass der Träger auf einen Verbleib in den Räumlichkeiten klagen könnte. Sie habe sogar angeboten, schriftlich einen Klageverzicht zu erklären, doch keine Reaktionen erhalten, sagt Kolbe. „Die wollen das einfach nicht.“

Nun wird das Traumzauberland schon in den Sommerferien schließen, um nicht bis Jahresende die durch die Schulkinder freigewordenen Plätze unbesetzt lassen zu müssen. Den Eltern hat Kolbe angeboten, für ein Jahr in die anderen Einrichtungen in Schöneweide und Friedrichshagen zu wechseln. Wirtschaftlich ist das für den Träger so oder so eine Belastung: Bis im Oktober eine dritte Kita in Bohnsdorf öffne, gebe es einen Personalüberhang. Mit dem für sie zu frühen Aus der Kita im Innovationspark hat Kolbe sich abgefunden. „Wir machen’s jetzt so“, sagt Kolbe. „Wir haben lange gekämpft und sind gegen eine dicke Wand gelaufen.“ Trotz aller Verwerfungen ist ihr an einem guten Umgang mit dem Bezirk Treptow-Köpenick gelegen, in dem es weiterhin drei Traumzauberland-Kitas geben werde und bald auch ein neues Büro. „Wir wünschen uns für die Zukunft, dass wir wieder aufeinander zugehen.“

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