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Geschützter Radstreifen: Argumente gegen die Märkische Allee

Veröffentlicht am 09.07.2019 von Ingo Salmen

Zu unserer Berichterstattung über einen Poller-Radweg entlang der Märkischen Allee hat uns eine Zuschrift unseres Leser Sebastian Krüger erreicht. Er hält von diesen Überlegungen nichts und legt das auch ausführlich dar. Hier seine vollständige Argumentation:

Der Vorschlag, einen Radstreifen auf der Märkischen Allee zu errichten, verwundert mich, weil er meinen Erfahrungen komplett widerspricht. Ich radle ziemlich oft (mehrmals in der Woche) vom Poelchau-/Springpfuhl-Kiez zum Potsdamer Platz zur Arbeit. Die Märkische Allee kommt für diese Strecke nicht in Frage. Sie führt nämlich nicht in Ost-West-Richtung in die City rein bzw. raus, sondern in Nord-Süd-Richtung von Ahrensfelde (Norden) zum Baumarkt Hornbach (Süden).

Wem wäre eine „Ertüchtigung“ der Märkischen Allee für den Radverkehr dienlich? Große Nutzerströme sind auf dieser Strecke m. M. nicht zu erwarten. Wer mit dem Rad in die City pendelt, nimmt A. einen möglichst kurzen Weg oder B. einen Weg ABSEITS vielbefahrener Straßen, am besten beides. Auch mit ausgebauter/abgetrennter Radspur (Poller) wäre die Märkische Allee für Radfahrer wenig attraktiv, weil man entlang einer Autobahn in wenig sinnvolle Richtungen unterwegs wäre. (In Nord-Süd-Richtung bietet sich als alternative Teilstrecke z.B. der Dahmeweg an.)

Eine sinnvolle Radler-Strecke für Springpfuhl-City-Pendler ist die Allee der Kosmonauten, Querung Rhinstraße, durch den Landschaftspark Herzberge (ab hier Bezirk Lichtenberg) und dann weiter über Herzberg- oder Bornitz-Straße Richtung Westen. Da könnte einiges optimiert werden. Aber auch auf Marzahner Gebiet gäbe es auf dieser Strecke viel zu tun: z.B. die AdK-Brücke über die alten Eisenbahngleise (Höhe Jobcenter) ist für Radler kompliziert, da brettern die Autos eng an einem vorbei.

Die Märkische Allee für Radler fit zu machen, ist in meinen Augen Vergeudung. Welcher Radler soll dort von wo kommend wohin fahren? Ein Ausbau der Nord-Süd-Richtung ist in dieser Gegend nicht so wichtig wie ein Ausbau der Ost-West-Richtung.

Aus der Argumentation ergeben sich mehrere Fragen: Ist der Bedarf auf der Märkischen Allee tatsächlich so gering? Wo besteht beim Radverkehr in Marzahn-Hellersdorf eigentlich der größte Handlungsbedarf? Wie könnte auch angesichts begrenzter Personalkapazitäten eine Prioritätenliste für den Bezirk aussehen? Und was lässt sich umsetzen, bevor die großen Projekte fertiggestellt sind? Anregungen nehmen wir gern per Mail entgegen.

Zur Erinnerung: Die Senatsverkehrsverwaltung veranschlagt für Planung und Bau des Radschnellwegs 9 in die Innenstadt mindestens 62 Monate. Die verworrenen Zuständigkeiten von Bezirk und Land bei der Planung geschützter Radstreifen sollen künftig zumindest geklärt werden. Der Linken-Abgeordnete Kristian Ronneburg wies nach der Berichterstattung von vergangener Woche auf den „Zukunftspakt Verwaltung“ hin (hier als PDF zum Download). Der soll genau solche Probleme beheben. Ganz am Ende, auf den Seiten 64 und 65 geht es um den Radverkehr: Bis zum vierten Quartal 2019 soll ein neues „Geschäftsprozessmanagement“ erstellt werden.

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