Namen & Neues

Millionen für einen unvollständigen Radweg - eine Berliner Posse

Veröffentlicht am 30.07.2019 von Ingo Salmen

Millionen für einen unvollständigen Radweg – eine Berliner Posse. Keiner kann Possen so gut wie die Berliner Verwaltung – und das jüngste Beispiel findet sich in der Eisenacher Straße im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Mit Millionenaufwand will der Bezirk sie sanieren. Die marode Fahrbahn soll erneuert, Rad- und Gehwege sollen ausgebaut werden. Losgehen soll es zum Jahreswechsel 2019/20, veranschlagt sind nicht weniger als vier bis sieben Jahre für die komplette Strecke, 5,5 bis 6 Millionen Euro sind inklusive Planung einkalkuliert.

Dumm nur, dass sich mittendrin eine Brücke über die Wuhle befindet – und für diese das Land zuständig ist (hier ein Foto). Auf der Brücke gibt es keinen Radweg, ein Ärgernis für viele Bürger. Doch der schöne neue Radweg auf der Eisenacher Straße dürfte, wenn in einigen Jahren fertigstellt, vorerst unvollständig bleiben. Wegen des „befriedigenden“ Zustandes sei ein Neubau der Brücke nämlich „kurzfristig nicht vorgesehen“, wie Staatssekretär Stefan Tidow auf Anfrage des SPD-Abgeordneten Sven Kohlmeier mitteilte (hier als PDF). „Planungen zur Beseitigung der bestehenden Engstelle im Brückenbereich sind derzeit, wegen der fehlenden Personalkapazitäten, nicht möglich.“ Radfahrer werden sich deshalb noch viele Jahre lang in den Autoverkehr einfädeln müssen, denn „eine vom Kfz-Verkehr unabhängige Führung“ könne „wegen fehlender Breiten derzeit nicht erfolgen“.

Aus der Politik werden deshalb Forderungen laut, einen Neubau der Brücke durch das Land bevorzugt zu behandeln. „Der Senat ist in der Pflicht, anstatt weitere reine Prestigeprojekte in der Innenstadt anzugehen, endlich auch in unserem wachsenden Stadtrandbezirk für den Ausbau und die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur zu sorgen“, teilt der Vorsitzende der CDU-Fraktion in der BVV, Alexander J. Herrmann, mit. Für Kohlmeier ist die Antwort der Verkehrsverwaltung vor dem Hintergrund des Mobilitätsgesetzes schlichtweg ein „Irrsinn“. – Text: Ingo Salmen
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