Namen & Neues

SPD-Antrag: BVG soll sich zum Verkehrsverbund bekennen

Veröffentlicht am 22.10.2019 von Ingo Salmen

Wer in den sozialen Medien unterwegs ist, weiß schon lange: Die BVG findet sich selbst am geilsten. Kein Spruch ist den Werbern der Kommunikationskampagne zu billig, mit ernsthaften inhaltlichen Anliegen ist man bei ihnen hingegen schnell an der falschen Adresse. Ein bisschen mehr Teamspiel wünscht sich die SPD Marzahn-Hellersdorf von Berlins gelbem Riesen. In einem Antrag für den Landesparteitag an diesem Sonnabend fordern sie, dass die BVG sich stärker als bisher zum Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bekennt. In der Außendarstellung nämlich.

Die BVG solle doch bitte das rote VBB-Logo an allen ihren Fahrzeugen im Einstiegsbereich anbringen, schreiben die Sozialdemokraten. „Dies umfasst die Fahrzeuge der U-Bahn und Straßenbahn sowie Busse und Fähren“, heißt es in dem Antrag. „Damit soll den Fahrgästen, die nur gelegentlich mit den Verkehrsmitteln des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) fahren, und Touristen verdeutlicht werden, dass ein VBB-Fahrausweis zur Benutzung aller Verkehrsmittel in Berlin (und Brandenburg) – je nach Geltungsbereich des Fahrausweises – berechtigt.“ Damit verlange man nur, was alle anderen Mitglieder des VBB längst praktizieren – von der S-Bahn, über DB Regio, ODEG und NEB sowie weiteren 33 Verkehrsunternehmen in den beiden Ländern.

Die Sozialdemokraten haben einen bösen Verdacht: „Die BVG nimmt […] möglicherweise in Kauf, dass ungeübte Kundinnen und Kunden beim Umstieg von S- oder Regionalbahn einen weiteren VBB-Fahrausweis lösen. Auf diese Weise generiert das Unternehmen zusätzliche Einnahmen und widerspricht dem Ziel, mehr Fahrgäste für die Öffentlichen zu gewinnen: Denn wem suggeriert wird, zweimal ein Ticket lösen zu müssen, um sein Ziel zu erreichen, wird umso fester an seinem Pkw festhalten oder das teure, aber bequemere Taxi nutzen. Die BVG handelt hier nicht in dem Sinne, wie man es von einer steuerfinanzierten Anstalt des öffentlichen Rechts erwarten könnte.“

Ganz neu ist die Forderung nicht, sie wird nur immer schon von der großen BVG ignoriert. „Einheitlicher Markenauftritt und einheitliche Fahrgastinformation“ hatte der Senat bereits in einer Evaluation aus dem Jahr 2014 (hier als PDF, S. 21) als Ziel ausgegeben. Es sei „erfreulich“, dass „die BVG als größtes VBB-Verkehrsunternehmen ihre Fahrzeuge künftig ebenfalls mit dem VBB-Logo kennzeichnen will“, hieß es darin allerdings etwas verfrüht. Schon Ende 2013 schrieb der damalige Staatssekretär für Stadtentwicklung und heutige Chef der Senatskanzlei, Christian Gaebler (SPD), auf Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Oliver Friederici (hier als PDF) ein wenig ratlos: „VBB und Senat haben der BVG wiederholt vorgeschlagen, an ihren Fahrzeugen das VBB-Logo anzubringen.“

Wie zahlreich die Irrtümer der Fahrgäste und wie hoch damit die Mehreinnahmen der BVG tatsächlich sind, ist ungewiss. In SPD-Kreisen munkelt man von Millionenbeträgen, nachprüfen lässt sich das allerdings nicht. Gaebler äußerte seinerzeit zum fehlenden Logo die Vermutung, „dass daraus nur wenige Fahrgäste eine Nichtgültigkeit des VBB-Tarifs in den BVG-Verkehrsmitteln ableiten“. Dem Land seien von seinem eigenen Unternehmen jedoch „nachvollziehbare Gründe“ zum Verzicht auf das Emblem „nicht übermittelt worden“. Mal sehen, ob sich zumindest das jetzt ändert.

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