Namen & Neues

Der große Grundschul-Ärger: Eltern planen Protestmarsch

Veröffentlicht am 05.11.2019 von Ingo Salmen

Die Kiekemal-Grundschule ist eigentlich für 360 Kinder konzipiert. Tatsächlich lernen hier 179 Schüler mehr, was einer Überbelegung von 50 Prozent entspricht. Das will die Elternvertretung nicht länger hinnehmen. Unter dem Motto „Friday for Kiekemal“ ruft sie am Freitag, 8. November, zum Protestmarsch durch Mahlsdorf auf. Ab 7.15 Uhr wollen Eltern und Kinder eine halbe Stunde mit dem Hultschiner Damm eine zentrale Verkehrsachse zumindest teilweise lahmlegen. Von der Paul-Wegner-Straße ziehen sie nach Norden und von der Rahnsdorfer Straße nach Süden zur Kiekemal-Grundschule. Die Forderung: der sofortige Bau mobiler Unterrichtsräume, eine neue Schule an der Elsenstraße und kein täglicher Bustransfer nach Biesdorf oder Kaulsdorf.

„Das Wenn, Vielleicht und Könnte ist uns nicht mehr genug“, sagte die Vorsitzende der Gesamtelternvertretung, Jana Löschke, dem Tagesspiegel. Die Eltern verlieren allmählich die Geduld. Etwa hundert von ihnen erschienen vor einigen Tagen zu einer Versammlung und beschlossen die Protestaktion. Fünfhundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer hat Löschke zunächst mal angemeldet. Vor zwei Jahren hatten sie schon einmal Erfolg: Nach einer Demo bekam die Schule wenigstens zwei, wenn auch viel zu kleine, Container auf ihren Hof gestellt. Doch das Wachstum setzt sich fort: Drei sechste Klassen verlassen die Schule zum Ende des Schuljahres, nach den Ferien 2020 muss die Kiekemal jedoch fünf neue erste Klassen bilden, wie Löschke berichtet.

Drei Optionen hat Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) den Eltern deshalb unterbreitet: An der Franz-Carl-Achard-Grundschule in Kaulsdorf wird im Frühjahr ein Mobiler Erweiterungsbau (MEB) übergeben. Ein Teil der Erst- und Zweitklässler könnte ab Sommer dorthin pendeln. Der sei zwar grundsätzlich für die Renovierung der Achard-Schule selbst vorgesehen, aber „noch nicht final verplant“. Löschke berichtet, die Leitung der Kaulsdorfer Schule habe auf diese Auskunft „entsetzt“ reagiert. Eine weitere Möglichkeit könnte darin bestehen, Kiekemal-Kinder in den wegen des Schimmels aufgegebenen Containern am alten Standort der Biesdorfer Fuchsberg-Grundschule unterzubringen, nachdem sie wieder hergerichtet worden sind – zumindest für ein Jahr, denn eigentlich sollen auch sie der Achard-Grundschule als Ausweichmöglichkeit dienen.

Die Eltern setzen deshalb auf die dritte Variante: eine Bestückung des Lehnitzplatzes mit acht mobilen Unterrichtsräumen (MUR) – und zwar schon zum Sommer 2020. Eigentlich dauert deren Errichtung 17 Monate, Lemm hatte die Hoffnung geäußert, einen Bau auf 13 Monate zu verkürzen. Ob’s noch schneller geht? Jedenfalls läge der Lehnitzplatz im Interesse aller Parteien, meint Löschke. Selbst das Straßen- und Grünflächenamt habe sich inzwischen offen für eine temporäre Nutzung des Erholungsraums gezeigt (hörte sich kürzlich noch anders an). Eigentlich hatten sich viele im Ort einen MEB an der Elsenstraße gewünscht, um die vorhandenen Schulen wohnortnah zu entlasten, ehe dort eine neue Grundschule gebaut wird. Doch es gibt bekanntlich Trouble um eine Geruchsbelästigung durch eine benachbarte Müllsortieranlage. Löschke hegt einen Verdacht: „Wir vermuten, dass der Senat uns bei der Elsenstraße hinhält, weil er den Peak bei den Schülerzahlen abwarten will.“ –Text: Ingo Salmen

Foto: Axel Heimken/dpa

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