Namen & Neues

Neue Grundschule an der Elsenstraße kommt - in einigen Jahren

Veröffentlicht am 19.11.2019 von Ingo Salmen

Neue Grundschule an der Elsenstraße kommt – in einigen Jahren. Danach sah es lange Zeit nicht aus: das Land Berlin und der Bezirk Marzahn-Hellersdorf haben sich nun doch auf den Bau einer neuen, vierzügigen Grundschule an der Mahlsdorfer Elsenstraße verständigt. Das gaben Senatsbildungsverwaltung und Bezirksamt vergangene Woche unisono in Pressemitteilungen bekannt. „Der Beschlussfassung war ein Abstimmungsgespräch vorausgegangen, um bestehende Zweifel an der Eignung des ehemaligen Gymnasialstandorts aufgrund möglicher Geruchsbelästigungen durch die angrenzende Alba-Leichtverpackungssortieranlage zu klären“, schrieb die Bildungsverwaltung. „Seit weit über einem Jahr gab es Diskussionen und unterschiedliche Ansichten zwischen Land und Bezirk über die Bebaubarkeit des Grundstücks im Ortsteil Mahlsdorf.“

Das ist freundlich ausgedrückt: Wie mehrfach berichtet, hatte das Land wegen der Geruchsbelästigungen einen Bau strikt abgelehnt, solange kein olfaktorisches Gutachten vorliegt. Mit einer älteren Prognose hatten sich die Senatsverwaltungen nicht zufriedengegeben. Davon ist jetzt keine Rede mehr: Die Senatsumweltverwaltung habe „nun“ bestätigt, „dass nach aktuellem Erkenntnisstand alle gesetzlichen Richtwerte am Standort eingehalten werden“, hieß es in der Mitteilung. „Somit steht dem Bau einer Schule nichts im Wege.“ Ob es inzwischen neue Erkenntnisse gibt, war zunächst nicht zu erfahren. Bis Ende des Jahres soll bereits ein Bedarfsprogramm vorliegen, aus dem hervorgeht, welche Räume die Schule brauchen wird. In einem Protokoll einer internen Besprechung hatte es noch im Oktober geheißen, auch das Bedarfsprogramm werde es ohne aktuelles Gutachten zur Geruchsbelästigung nicht geben.

Erst mal kommen jetzt geschulte Riecher zum Einsatz: In den nächsten Monaten soll es 104 „Rasterbegehungen“ geben, bei denen Fachleute mit guter Nase Planquadrat für Planquadrat prüfen, wo es stinkt und wo nicht und wie schlimm das alles ist. „In etwa zwei Jahren soll dann ablesbar sein, ob die Richtwerte weiterhin eingehalten werden“, schreibt die Senatsbildungsverwaltung. Ist das nicht der Fall, sollen „geruchsimmissionseingrenzende Maßnahmen“ eingeleitet werden. Es geht also um die Abwehr des Gestanks an der Schule, nicht die Minimierung der Ausdünstungen an der Abfallanlage. Noch im Oktober vertrat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Auffassung, dass entsprechende Filtersysteme für Lüftungsanlagen „nicht bekannt“ seien. Jetzt heißt es seitens der Senatsbildungsverwaltung auf Nachfrage: „Die Prüfung dauert an.“

Wozu sich die Verwaltung in ihrer langen Mitteilung ausschweigt: wann die Schule eröffnet wird. Nicht einmal ein Baubeginn wird angegeben. Der Zeitpunkt der Eröffnung könne „zum jetzigen Zeitpunkt nicht seriös eingeschätzt werden“, erklärt Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) auf Nachfrage. Realistisch sei jedoch eher das Jahr 2023 als 2022, wie ursprünglich gedacht. Dafür spricht auch, dass das bisherige, leerstehende Schulgebäude Ende 2020 oder Anfang 2021 abgerissen werden soll. Zwei Jahre erscheint für Bau der Schule und einer neuen Dreifeldsporthalle durchaus plausibel.

Nicht geben wird es den vom Bezirk beantragten Modularen Ergänzungsbau (MEB), der schnell für eine Entlastung der überfüllten Mahlsdorfer Grundschulen sorgen sollte. Das liege an den „topografischen Besonderheiten des Grundstücks“. Der Grund ist so banal wie bitter: Das Land bestellt inzwischen größere MEB, die auch eine größere Aufstellfläche benötigen – zu groß für die Elsenstraße. Die alten MEB hätten gepasst, wie Lemm berichtet, doch die stammten von einem anderen Hersteller, der Liefervertrag laufe aus. Stattdessen will der Bezirk nun Container aufstellen, denn diese lassen sich besser den örtlichen Bedingungen anpassen. Weil sie nicht standardisiert seien, dauerten jedoch Planung und Genehmigung länger. Eine Prognose, ab wann die Container genutzt werden können, wollte Lemm nicht abgeben.

Das alles sieht nach einer politischen Entscheidung aus, die den dringenden Bedarf an weiteren Schulplätzen stärker gewichtet als die Beeinträchtigung durch Gerüche von der Abfallanlage in der Nähe. Diese Entscheidung mag legitim sein. Die Frage ist nur: Warum ging das nicht schon eher? „Das kommt ein Jahr zu spät“, sagt Landeselternsprecher Norman Heise auf Nachfrage. „Was da nach den ganzen Querelen jetzt beschlossen worden ist, hätte man auch schon vergangenes Jahr haben können.“ Er versteht auch nicht, warum schon Containerbauten so lange dauern. „Das ist in anderen Ländern unvorstellbar.“ Heise wünscht sich bei Beschaffung und Planung eine stärkere bezirksübergreifende Zusammenarbeit.

Die Sorgen vieler Eltern sind durch die Entscheidung nicht zerstreut. Zweifel meldete Jana Löschke von der Gesamtelternvertretung um 50 Prozent überbelegten Kiekemal-Grundschule an. Sie äußerte auf Basis der Mitteilung der Befürchtung, die Container könnten nun an der Elsenstraße statt – wie zuletzt angedacht – auf dem Lehnitzplatz aufgestellt werden. Stadtrat Lemm stellte inzwischen jedoch klar, dass er an beiden Standorten für temporäre Containerbauten zur Entlastung der Grundschulen festhalten will. Außerdem warf Löschke die Frage auf, ob die Kinder denn ohne Beeinträchtigung ihrer Gesundheit in den Containern an der Elsenstraße sitzen können, während draußen die marode Schule abgerissen wird.

„Das ist auszuschließen“, kommentierte die Senatsbildungsverwaltung die Frage nach einer Gesundheitsgefährdung. „Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte können unbesorgt sein.“ Derzeit sei nicht bekannt, dass sich Schadstoffe in dem abzureißenden Bau befinden. „Sollte sich das nach einer Vorprüfung herausstellen, würde das übliche Verfahren bei Rückbau greifen: Der betroffene Gebäudeteil würde zunächst eingehaust und dann rückgebaut. Bauarbeiter müssten sich einer Reinigung unterziehen.“ Hauptsache, alle Mahlsdorfer Schülerinnen und Schüler sind auch irgendwann eingehaust. – Text: Ingo Salmen
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