Namen & Neues

Und plötzlich reden alle wieder über Seilbahnen

Veröffentlicht am 14.01.2020 von Ingo Salmen

Und plötzlich reden alle wieder über Seilbahnen in Berlin. Nanu, was ist denn hier los? „Insellösungen“ könnten sie allenfalls sein, hatte die Senatsverkehrsverwaltung vor nicht allzu langer Zeit über Seilbahnen als Teil des öffentlichen Nahverkehrs gesagt. Von Bussen über Straßenbahnen bis zu U- und S-Bahnen sah sie viele andere Verkehrsmittel im Vorteil. Doch die schwebenden Gondeln scheinen zu faszinieren. Marzahn-Hellersdorf besitzt schon eine Seilbahn, doch plötzlich haben auch die SPD in Treptow-Köpenick und Pankows Bürgermeister Sören Benn (Linke) Seilbahn-Träume. Letzterer hat jetzt einen Verkehrswissenschaftler eingeladen und will in Erfahrung bringen, „ob und unter welchen Voraussetzungen in welchem zeitlichen Horizont Seilbahnsysteme im Nordostraum (…) geeignet sein können“, diese Viertel zu erschließen.

Und was wird aus dem Original? Der Betrieb der Seilbahn über den Kienberg ist bekanntlich nur bis Ende dieses Jahres gesichert. Dann läuft der Vertrag mit der Leitner AG aus Südtirol aus, die für den Betrieb der Berliner Bahn extra eine Tochter gegründet hat. Weil das landeseigene Unternehmen Grün Berlin ein besonderes Interesse hat, die Bahn als touristische Attraktion neben den Gärten der Welt zu erhalten, verhandelt sie derzeit mit Leitner über künftige Betreibermodelle. Der landeseigene Parkbetreiber gibt sich auf Nachfrage ziemlich zugeknöpft und verweist auf die laufenden,“ergebnisorientierten“ Gespräche. Nur so viel ist zu erfahren: „Ziel ist es, den langfristigen Betrieb der Seilbahn bis vsl. Ende 2033 zu sichern.“ Das spielt darauf an, dass die Leitner AG über eine Option verfügt, den Vertrag zu verlängern. Falls sie verzichtet, steht im Landeshaushalt gut eine Million Euro bereit, damit die Grün Berlin 2021 einspringen kann.

Wie groß das Interesse der Leitner AG ist, lässt sich schwer abschätzen. Ein Satz, den die Grün Berlin auf Anfrage schickt, verrät: In den Gesprächen scheint es tatsächlich um eine Übernahme oder zumindest einen Einstieg der Landesfirma zu gehen. Denn, so heißt es: „Es ist geplant, bis Ende 2020 einen endverhandelten Vertrag zu unterzeichnen“. Gemeint ist damit ein Vertrag zwischen der Leitner AG und Grün Berlin. Der Versuch einer Kontaktaufnahme mit der Seilbahn Berlin GmbH blieb bislang erfolglos: Eine Pressesprecherin gibt es seit Ende 2019 nicht mehr, bei der örtlichen Telefonnummer war am Montag ein Band mit englischer Ansage geschaltet. Auf eine Mail an den Geschäftsführer gab es zunächst keine Reaktion. Alle reden gerade über Seilbahnen – nur die Betreiber nicht. Text: Ingo Salmen

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