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Wie sich das Bezirksamt auf das Coronavirus einstellt

Veröffentlicht am 17.03.2020 von Ingo Salmen

Wie sich das Bezirksamt auf das Coronavirus einstellt. Nach den jüngsten Zahlen der Senatsgesundheitsverwaltung gibt es in Berlin 332 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind, Tendenz: stark steigend. 20 von ihnen werden im Krankenhaus behandelt, drei davon wiederum intensivmedizinisch. Die übrigen sind häuslich isoliert. Marzahn-Hellersdorf ist neben Spandau mit jeweils elf Fällen der Berliner Bezirk mit den wenigsten Ansteckungen.

Trotzdem arbeitet das Gesundheitsamt am Anschlag, gibt es auch am Wochenende keine Pause. Das hat mehrere Gründe. Zum einen müssen die Infizierten betreut werden, es gibt regelmäßige Anrufe. Ferner gehören zu jedem Fall auch zahlreiche Kontaktpersonen, die ermittelt und ebenfalls kontaktiert und isoliert werden müssen; die Gesundheitsverwaltung geht von 20 Kontaktpersonen pro Fall aus. Zum anderen ist das Gesundheitsamt unter Umständen auch mit Fällen aus anderen Bezirken befasst: Maßgeblich ist der Wohnort; doch am Wochenende wurde bekannt, dass ein Kamerad der Berufsfeuerwehr Marzahn positiv getestet wurden; weitere 24 Feuerwehrleute mussten für zwei Wochen in Quarantäne, auch damit war das Gesundheitsamt teilweise befasst. Die Feuerwehr betont: Die Einsatzfähigkeit bleibt gewährleistet.

Um die Mitarbeiter*innen im Gesundheitsamt zu entlasten, bildet das Bezirksamt gerade einen Personalpool von 70 bis 80 Leuten aus anderen Teilen der Verwaltung. Sie können etwa für die telefonischen Kontakte eingesetzt werden. Anfangs haben das vor allem Auszubildende übernommen, jetzt kommen weitere Dienstkräfte hinzu: Jede Abteilung soll Personal abstellen, vor allem aber die geschlossenen Einrichtungen wie die Bibliotheken, die Volkshochschule und die Musikschule. Viel Arbeit kommt auch auf das Ordnungsamt zu: Es muss überprüfen, ob die vom Senat angeordneten Schließungen von Clubs, Kneipen und Geschäften (Ausnahme: Supermärkte und alles, was fürs Leben unverzichtbar ist) eingehalten werden. Der Lebensmittelhandel darf allerdings, das entschied der Senat am heutigen Dienstag, ab sofort auch sonntags öffnen.

Die Bezirksverwaltung versucht persönliche Kontakte weitestgehend einzuschränken. Von den drei Bürgerämtern ist nur noch das an der Marzahner Promenade geöffnet, jedoch ausschließlich für Notfälle. Auch in allen anderen Ämtern gibt es allenfalls Notsprechstunden. Kontaktaufnahmen sollen meist nur telefonisch, per Mail oder postalisch erfolgen. Eine detaillierte Übersicht über alle Ämter hat das Bezirksamt unter diesem Link aufgelistet; sie wird kontinuierlich aktualisiert. Geschlossen sind auch die Stadtteilzentren, Jugendfreizeiteinrichtungen und Sportanlagen sowie alle kulturellen Einrichtungen. Veranstaltungen wurden ausnahmslos abgesagt.

Aktuell gebe es keine Coronavirus-Fälle in der Verwaltung, betont Pressesprecher Frank Petersen. „Das Bezirksamt arbeitet, wir haben aber Schutzmaßnahmen getroffen.“ Mitarbeiter*innen wechseln verstärkt ins Homeoffice, in Büros wird auf Abstand geachtet, dienstliche Beratungen werden auf maximal zehn Personen beschränkt. Eine Ausnahme bildet der Pandemiestab, der zweimal pro Woche unter der Leitung von Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) im großen Ratssaal in Hellersdorf tagt – mit rund 20 Mitgliedern, aber auch hier Lücken zwischen den Stühlen. Auch die Teilnehmerzahl für Schulungen ist begrenzt, denn ausfallen können diese nicht: Auch in der Krise gilt es, neu eingestelltes Personal einzuarbeiten.

Bis Ende April ruht die Bezirkspolitik. Die Bezirksverordnetenversammlung hat bis Ende April alle Sitzungen abgesagt. Das gilt auch für die Ausschüsse der BVV. – Text: Ingo Salmen
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