Namen & Neues

CDU protestiert gegen Neubauprojekte im Bezirk

Veröffentlicht am 30.06.2020 von Caspar Schwietering

Simulation: Zoomarchitekten/Degewo

Während in der Hellen Mitte derzeit Bausünden der Vergangenheit repariert werden, wird im Bezirk auch neu gebaut. Das Ausmaß hat mich dabei aber durchaus überrascht. Im vergangenen Jahr war Marzahn-Hellersdorf nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zusammen mit Mitte und Tempelhof-Schöneberg der Bezirk mit den stärksten Zuwächsen. Und zwischen 2010 und 2018 stieg hier der Wohnungsbestand laut den Statistiker*innen um 4,9 Prozent. Nur Treptow-Köpenick und Lichtenberg verzeichneten mehr Wachstum. Bis 2030 sollen bei uns auch weiterhin viele Wohnungen entstehen. Allein 21 Neubaugebiete sieht der Stadtentwicklungsplan hierfür vor.

Die Innenstadt ist bereits weitgehend voll. Deshalb konzentriert sich der Wohnungsbau nun vermehrt am Stadtrand. In der Mittenwalder Straße in Hellersdorf errichtet der städtische Wohnungsbaukonzern „Stadt und Land“ in drei Häusern derzeit 310 neue Wohnungen. Während das erste Haus bereits seit März gebaut wird, erfolgte der Baustart für Haus zwei und drei in der vergangenen Woche.

Das Bauprojekt ist eine klassische Blockrandverdichtung. Zwischen den Plattenbauten in Mittenwalder – und der Zossener Straße war noch ein bisschen Platz. Maßnahmen wie diese bieten in den Großsiedlungen und speziell in Hellersdorf noch viel Potenzial für zusätzliche Wohnungen. Doch nicht immer laufen diese Projekte ohne Konflikte.

Viele Bürger*innen wollen die Grünflächen zwischen den Hochhäusern gern erhalten. Von entsprechenden Forderungen berichtete mir die Grünflächenstadträtin Nadja Zivkovic (CDU). Zivkovics Partei hat in diesem Sinne bereits 2019 in der BVV einen Antrag eingereicht, nachdem der Bezirk einige Innenhöfe in den Großsiedlungen von der städtischen Berliner Immobilienmanagement GmbH zurückkaufen soll, um sie als Grünflächen zu erhalten.

Die Entscheidung darüber im Ausschuss für Stadtentwicklung fiel denkbar knapp aus. Sieben Verordnete stimmten für den Antrag und acht dagegen. Eine Zustimmung des Plenums ist deshalb unwahrscheinlich. In der Bezirksverordnetenversammlung am 18. Juni wurde die Entscheidung über den Antrag jedoch zunächst vertagt. Der CDU-Kreisvorsitzende Mario Czaja hat deshalb nun eine Petition gestartet. Die Bürger*innen sollen Druck auf die Verordneten machen.

Die Geschichte zeigt: Über den Wohnungsneubau wird in unserem Bezirk in den nächsten Jahren noch viel gestritten werden. Denn die Stadt braucht neue Wohnungen und in Marzahn-Hellersdorf gibt es die nötigen Flächen. Zugleich haben aber auch viele Menschen das Bedürfnis, dass sich in ihrem Umfeld möglichst wenig ändert.

In den Einfamilienhaussiedlungen im Süden des Bezirkes sind die Beharrungskräfte dabei noch einmal größer. Und auch hier spielt die CDU eine entscheidende Rolle. Denn Czaja hat auch eine Petition gegen Mehrfamilienhäuser im Neubaugebiet rund um die Bisamstraße in Mahlsdorf gestartet. Hier sollten zunächst weitere Einfamilienhäuser entstehen. Doch unter Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) änderte sich die Planung.

Die städtische Degewo soll hier nun – ohne dass der Bebauungsplan geändert wird – Mehrgeschosser errichten. Rund 335 Wohnungen sollen so entstehen, wie aus einer parlamentarischen Anfrage von Mario Czaja hervorgeht. „Wir werden im Bezirksparlament genau prüfen, inwiefern die Vorgaben des Bebauungsplanes durch die neuen Vorstellungen verletzt werden“, schreibt Czaja dazu auf seiner Homepage.

Dass der Bebauungsplan nicht geändert werden soll, mutet auf den ersten Blick tatsächlich seltsam an. Wenn man in einer Einfamilienhaus-Gegend eine dichtere Bebauung entstehen soll, würde man zunächst erwarten, dass damit eine besondere städtebauliche Gestaltung einhergehen muss. Es bleibt abzuwarten, ob diese auch innerhalb des bestehenden Bebauungsplanes realisiert werden kann.

Doch der Kampf der CDU gegen Veränderungen im Bezirk wirft auch weitere Fragen auf. Eine etwas dichtere Bebauung in den Großsiedlungen wie in den Einfamilienhaus-Siedlungen birgt nämlich auch Chancen. Marzahn-Hellersdorf könnte damit einen Tacken urbaner werden. – Text: Caspar Schwietering

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