Namen & Neues

Die Kitas, der Schnupfen und die Corona-Furcht

Veröffentlicht am 14.07.2020 von Ingo Salmen

Kaum glaubten Eltern, dass sie erst mal das Gröbste überstanden haben, als ihre Kinder nach wochenlanger Schließung wieder in die Kita gehen durften – da zeigen sich schon die Tücken des Corona-Alltags. Ein Tagesspiegel-Artikel vom vergangenen Donnerstag hat in der Stadt hohe Wellen geschlagen. Meine Kollegin Ronja Ringelstein berichtet darin, dass viele Kitas Kinder mit Schnupfen nach Haus schicken, weil sie eine Infektion mit dem Coronavirus befürchten. Das Kind solle dann erst zurückkommen, wenn es ein Attest vom Arzt gebe, dass es gesund sei. Viele Kinderärzte stellen solche Gesundschreibungen aber nicht aus – und die Eltern wiederum geraten schnell in Erklärungsnot bei ihrem Arbeitgeber, zumal sie ihren Urlaub schon für die Betreuung im Frühjahr aufgebraucht haben.

Das Problem ist auch in Marzahn-Hellersdorf bekannt. „Den hier im Artikel geschilderten Fall gibt es auch bei vielen unserer Kitas“, schrieb Familienstadtrat Gordon Lemm (SPD) auf seiner Facebookseite. „Wenn ein Kind Erkältungssymptome aufweist, wird ein Negativ-Test gefordert.“ Das sei jedoch „bei weitem“ nicht bei allen Kitas so. Eine Abfrage in der Woche zuvor habe ergeben, dass einige so verfahren wie sonst auch in der Grippesaison: „Das heißt, eine Gesundschreibung des Kinderarztes reicht aus. Dieser kann in seiner Fachlichkeit einschätzen, ob ein Coronatest nötig/sinnvoll sei.“

Doch auch diese Gesundschreibung lehnen viele Ärzte bei Schnupfen offenbar ab. Keine Hilfe sind auch die Hygienevorgaben des Senats, die nur allgemeine Hinweise enthalten und irgendwie alle Symptome zusammenwerfen. Lemm kündigte deshalb an, sich an die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie zu wenden, und „einheitliche Vorgaben“ einzufordern. „Die Schnupfensaison steht ja in zwei Monaten wieder vor der Tür, und Kitas und Eltern brauchen hier Sicherheit.“ Die Kita-Referentin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hat schon einen Vorschlag. „Schön wäre, wenn in dem Hygieneplan vom Senat stehen würde: Wenn die Kinder 48 Stunden ohne Symptome sind, dürfen sie wieder zur Kita kommen“, sagt Sabine Radtke. „Manche Kitas handhaben das so, aber eine klare Regelung würde die Kita absichern.“