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Deutsches Rotes Kreuz eröffnet mobile Rettungsstelle am Biesdorfer Baggersee

Veröffentlicht am 18.08.2020 von Caspar Schwietering

Vor zwei Wochen ertrank im Biesdorfer Baggersee ein 19-Jähriger. Grüne und Linke forderten deshalb eine Badeaufsicht an dem Regenrückhaltebecken zu installieren. Mit seinem ungeklärten Abwasser ist das zwar eigentlich nicht zum Schwimmen gedacht und geeignet, aber an den vergangenen Wochenende wurde es stets von hunderten Badenden bevölkert. Und nun erklärte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Mitte der vergangen Woche, dass es dort an den Wochenenden eine mobile Rettungsstation einrichten wird.

An den Wochenenden werden dort fortan immer mindestens sechs Ehrenamtliche mit zwei Rettungswagen vor Ort sein, erklärte mir Rainer Oetting vom Deutschen Roten Kreuz Berlin-Nordost. Eine Fahrradstaffel werde zudem den See immer wieder umrunden. Da es in diesem Sommer wegen Corona weniger Veranstaltungen gebe, habe man freie Kapazitäten, sagte Oetting. „Deshalb haben wir uns spontan entschieden zu helfen.“ Im Bezirksamt war die Freude groß. „Der Bezirk hat das mit großem Dank angenommen und schnell eine Genehmigung erteilt“, erklärte Immobilienstadträtin Juliane Witt (Linke), an die Oetting sein Angebot richtete, bei Facebook.

Das erste Wochenende am See habe gezeigt, dass der Bedarf für eine Rettungsstelle groß sei, sagte Oetting. „Es waren in Spitzenzeiten fast 300 Badende da und es gab zahlreiche Kreislaufzusammenbrüche, Schnittverletzungen und Insektenstiche.“ Insbesondere als ein Badender einen Kreislaufkollaps im Wasser erlitt, sei es gut gewesen, dass das DRK auch mit Rettungschwimmer*innen vor Ort gewesen sein. „Unser Einsatz hat zudem die Lage merklich entspannt“.

Von den Besucher*innen habe man viel Zuspruch erhalten, sagte Oetting. Auch der Abgeordnete Kristian Ronneburg(Linke) schaute für eine Visite vorbei. Besonders freute sich Oetting aber über die Grünen, die den Ehrenamtlichen frisches Sprudelwasser brachten. Diese Anerkennung sei wichtig, sagte Oetting.

Zurückhaltend reagierte dagegen Mario Czaja von der CDU. „Als DRK-Präsident aber auch örtlicher Abgeordneter bin ich für diese Hilfsbereitschaft dankbar. Ich habe aber bei dem Einsatz meiner Kameraden in dieser Form auch gemischte Gefühle“, schrieb er in seinem Newsletter.  Man müsse sich hier auch fragen, „ob diese Form der Unterstützung nicht dazu führen kann, dass die Anzahl der Badenden sogar noch steigt und die Gefahren dann noch zunehmen.“ Der Einsatz diene dem Schutz der Menschen, könne aber staatliches Handeln nicht ersetzen.

Verärgert zeigte sich Czaja über die Berliner Bäderbetriebe, die derzeit wegen Corona nur zehn Prozent der üblichen Gäste in die Freibäder lassen. Ähnlich sieht das der Biesdorfer CDU-Abgeordnete Christian Gräff. „Was bringt es, wenn in den Freibäden ausreichend Abstand herrscht, wenn sich die Menschen dann an ungesicherten Seen knubbeln“, fragte er. Gräff befürwortet deshalb den ehrenamtlichen Rettungseinsatz des Deutschen Roten Kreuzes, fordert aber für die nächste Badesaison weiterhin einen Zaun. Er hofft, dass sich dadurch sowie durch Sträucher und Büsche an manchen Badestellen der Andrang an den See effektiv steuern lässt.

Wie sich die Situation am Biesdorfer Baggersee in der kommenden Badesaison entspannen lässt, will die zuständige Grünflächenstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) in den kommenden Wochen mit einem Expertengremium besprechen. Doch eins sagte sie bereits vorab: „Ein Zaun ist keine schlechte Idee.“