Namen & Neues

SPD: Gordon Lemm will Bezirksbürgermeister werden

Veröffentlicht am 13.10.2020 von Ingo Salmen

Das Gesicht der Bezirkspolitik wird sich im nächsten Jahr verändern. Nach 19 Jahren im Bezirksamt, davon zehn als Bürgermeisterin, geht Dagmar Pohle (Linke) in den Ruhestand. Allmählich sortieren sich die Parteien – und die SPD hat sich nun festgelegt: Gordon Lemm, seit 2016 Stadtrat für Schule, Sport, Jugend und Familie, bewirbt sich um Pohles Nachfolge. Bei einer Kreisdelegiertenversammlung im Zirkus Cabuwazi wählten ihn die Genoss*innen am Sonnabend mit 93 Prozent zu ihrem Spitzenkandidaten für die BVV-Wahl im kommenden Herbst.

Die Kandidatur lief praktisch auf den 43-Jährigen zu. Bevor er Stadtrat wurde, war Lemm auch schon SPD-Fraktionsvorsitzender in der BVV MaHe und persönlicher Referent des damaligen Bürgermeisters von Pankow, Matthias Köhne. Auf Lemms Schwerpunkte ist auch die Strategie der SPD ausgerichtet: Sie will sich im Wahlkampf als „Familienpartei“ positionieren. In der aktuellen Ausgabe der Mitgliederzeitung „konkret“, in der die Kandidierenden sich vorstellen, kommt das Wort auf 20 Seiten 22 Mal vor. Auch in Lemms Arbeitsbereichen im Bezirksamt sind Familien im Grunde durchweg ein Thema: ob bei der Versorgung mit Schulplätzen (derzeit von Notlösungen geprägt) oder dem Engagement für den Kinderschutz (entscheidende Fortschritte sind bislang nicht erkennbar).

Auch die BVV-Fraktion wird sich verändern. Hinter Lemm, Liane Ollech und Günther Krug kandidiert etwa auf dem vierten Platz der paritätisch besetzten Liste die Schulleiterin des Victor-Klemperer-Kollegs, Marion Hoffmann. Chancen auf einen Einzug in die BVV haben auch die Vorsitzende des Bezirkselternausschusses Kita, Stephanie Inka Jehne, auf Platz zehn und Verkehrsexperte Eike Arnold, stellvertretender Pressesprecher beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, auf Platz elf. Elf Sitze hat die SPD aktuell in der Bezirksverordnetenversammlung. Eine Prognose für das kommende Jahr ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings schier unmöglich.

Ausscheiden werden aus der BVV unter anderem die Fraktionsvorsitzende Jennifer Hübner (wir berichteten vor zwei Wochen exklusiv), ihr Vize Klaus Mätz, die langjährige Verordnete Christiane Uhlich und wohl auch Marlitt Köhnke. Ihr zwanzigster Platz dürfte kaum für einen Wiedereinzug reichen. Kürzlich blickte die frühere Hellersdorfer Bürgermeisterin im Interview mit der „Berliner Woche“ auf ihre Arbeit zurück.

Als Spitzenkandidatin fürs Abgeordnetenhaus wirbt die SPD Marzahn-Hellersdorf mit ihrer Kreisvorsitzenden Iris Spranger. Sie bekam ebenfalls 93 Prozent der Stimmen bei der Delegiertenversammlung – und eine Wahlempfehlung von Sven Kohlmeier mit Kaffeebecher. Die 59-Jährige, seit mehr als 20 Jahren in der Landespolitik erfahren, bewirbt sich zugleich um das Direktmandat im Wahlkreis 2 (Marzahn-Mitte), den 2016 die Linken-Politikerin Manuela Schmidt holte. Nicole Bienge tritt im Wahlkreis 3 (Hellersdorf-Nord) an, Dmitri Geidel im Wahlkreis 4 (Marzahn-Süd und Biesdorf), Luise Lehmann im Wahlkreis 5 (Kaulsdorf-Süd und Mahlsdorf) und ihr Vater Jan Lehmann im Wahlkreis 6 (Kaulsdorf-Nord und Hellersdorf-Süd).

Auch Bürgermeisterkandidat Lemm hat eine Alternative zur Bezirkspolitik – wenn er das Direktmandat im Wahlkreis 1 (Marzahn-Nord) gewinnen würde. 2016 belegte er dort hinter Gunnar Lindemann (AfD) und Wolfgang Brauer (damals Linke) mit deutlichem Rückstand den dritten Platz.