Namen & Neues

Klimaaktionspaket erntet harsche Kritik

Veröffentlicht am 10.11.2020 von Paul Lufter

In der vergangenen Woche ist das auf Initiative der Bezirksgruppe von Fridays for Future (FFF) und des Bezirksschülerausschusses zurückgehende Klimaaktionspaket für Marzahn-Hellersdorf veröffentlicht worden. Bereits kurz nach der Veröffentlichung hatte sich FFF enttäuscht über das Paket geäußert. Den gesamten Plan können Sie hier einsehen. Insgesamt besteht das Paket aus sieben Vorhaben:

  • Ausbau von Trinkwasserspendern an Schulen
  • Kampagne „ökologischer Garten“
  • Obstbäume in Grünanlagen berücksichtigen
  • Schottergärten entsprechend dem Vorbild anderer Gemeinden verbieten
  • Ausbau fLotte Kommunal (Lastenräderverleih)
  • Bienenvölker/Insektenhotel an Schulen anbringen
  • Aktionstag an Schulen zum Thema Klima und Nachhaltigkeit für die Schüler*innen

Bei der Kampagne „ökologischer Garten“ soll es laut FFF darum gehen, Grundstückbesitzer*innen darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig ökologische Gärten sind. Deshalb solle es laut FFF-Pressesprecher Jonas Knorr auch keine Schottergärten in einem grünen und ökologischen Bezirk mehr geben, denn diese binden weniger CO2 und heizen die Luft stärker auf.

Zudem sollen 30 neue Obstbäume auf öffentlichen Grund gepflanzt werden. Dies soll innerhalb der nächsten sechs Monate erfolgen und dafür sorgen, dass Insekten bessere Lebensbedingungen finden Was den Ausbau der Lastenräderflotte angeht, so soll für diese mehr geworben werden. Ziel ist es hier, die Auslastung, die bisher lediglich bei 30 Prozent liegt, auf 60 Prozent zu heben.

Trotz der Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt ist man bei FFF unzufrieden mit dem Ergebnis. In ihrer Pressemitteilung teilte die Bezirksgruppe mit, dass das Paket „am Ende vom Bezirksamt auf sehr wenige Maßnahmen gekürzt wurde“. „Die Maßnahmen aus dem Klimaaktionspaket reichen nicht, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Daher brauchen wir vor allem im langfristigen Bezug mehr und intensivere, krassere Maßnahmen“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Bezirksgruppe hofft nun auf eine Fortsetzung der Gespräche mit dem Bezirksamt, um so den Bezirk auf einen Kurs für die 1,5 Grad zu bringen. Vor dem letzten Treffen am 29. Oktober hatte sich Knorr noch verständnisvoller gezeigt. „Wir hätten uns ein bisschen mehr erhofft. Aber die Politik muss eben auch danach gehen, was sie umsetzen kann“, so Knorr. Meine Kollegin Masha Slawinski hatte darüber berichtet.

Das Paket habe nichts mit echtem Klimaschutz zu tun, teilte die Grüne Jugend Ost in einer Pressemitteilung mit. Es handle sich hierbei um einen rein symbolischen Akt. „Es wäre viel mehr möglich und vor allem nötig! Trinkwasserspender und Insektenhotels an Schulen sind zwar schön, aber das Klima retten wir damit leider nicht.“ Die Grüne Jugend fordert konsequentere Klimaschutzmaßnahmen, vor allem im Verkehrs- und Energiesektor. Dass dort kaum Maßnahmen umgesetzt werden sollen, obwohl sie das meiste CO2 verursachen, sei nicht akzeptabel.

Auch Stefan Ziller von der Fraktion der Grünen zeigte sich enttäuscht. Es sei schockierend, dass das Bezirksamt den Bedarf für Klimaschutz trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse und trotz aller Gespräche mit FFF wohl nicht ernst nimmt. „So wertvoll Trinkwasserspender und Insektenhotels an Schulen oder neue Obstbäume in Grünanlagen sind, sie gehen am wesentlichen Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz vorbei.“ Dabei stünden den Bezirken mit dem Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 umfangreiche finanzielle Mittel für wirksamen Klimaschutz zur Verfügung. „Leider ist Marzahn-Hellersdorf bisher nicht durch besonders viel Aktivitäten aufgefallen. Die andauernde Untätigkeit im Bereich Klimaschutz ist inakzeptabel“, resümiert Ziller.

Foto: mauritius images / Hans-Dieter Schnoerr / Alamy

+++ Diesen Text haben wir dem neuen Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf entnommen. Den gibt es in voller Länge und kostenlos hier: leute.tagesspiegel.de

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