Namen & Neues

15 Jahre Frust und nun ein Lichtsignal der Hoffnung

Veröffentlicht am 12.01.2021 von Ingo Salmen

Dieses Bauvorhaben könnte ein Thema für Historiker sein. Nicht gerade für ein Promotionsvorhaben, aber für eine Proseminararbeit sollte es reichen. Seine Geschichte reicht bis in die 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück, der erste Beschluss erging 2006. Es geht um keinen Flughafen und keine Autofabrik, es geht um: eine Ampel. Vor nun bald 15 Jahren verständigte sich die Unfallkommission darauf, eine Gefahrenstelle an der Kreuzung von Hultschiner Damm und Rahnsdorfer Straße zu entschärfen, schließlich betrifft das auch den Weg zur Kiekemal-Grundschule.

Die SPD hat die Leidensgeschichte, die folgte, nun noch einmal aufgelistet: „Erst konnten sich das Bezirksamt und die Berliner Wasserbetriebe (BWB) bis 2017 nicht auf die Entwässerung der Straße einigen, da die Kreuzung in einem Wasserschutzgebiet liegt, dann haben ein Wasserrohrbruch und veränderte Ampel-Richtlinien den Bau verzögert. Im Jahr 2019 mussten die Pläne erneut verändert werden, da die BVG den Lageplan und Signalzeiten als nicht vereinbar mit der dortigen Haltestelle eingestuft hatte.“ Anfang 2018, Ende 2018, Frühjahr 2019 und Ende 2019 verstrichen als Fertigstellungstermine, zu Beginn des vergangenen Jahres war von Juli die Rede – also 2020. Im Sommer aber erfuhr die Bezirksvorsitzende der Sozialdemokrat*innen, Iris Spranger, von der Verkehrsverwaltung, dass auch dieser Termin nicht zu halten sein wird. Wegen der Pandemie.

Doch es geschehen noch Lichtzeichen und Wunder: Seit dem Herbst steht eine Ampel, und manche Bürger*innen dachten schon, das sei es nun gewesen. Doch es ist nur ein Provisorium: eine Baustellenampel zur Montage der richtigen Ampel. Der Jubel ist verhalten, überwiegen doch Zorn und Frust angesichts der unendlichen Geschichte. Ein „Schritt in die richtige Richtung“ nannte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion in der BVV, Christiane Uhlich, den erkennbaren Baubeginn. Es geht aber nur im Schneckentempo voran, auch für die Autofahrer*innen, die sich nun tagtäglich weit zurückstauen. „Die aktuelle Baustellenverkehrsführung hat nichts mit der künftigen Ampelregelung zu tun“, betont denn auch der örtliche CDU-Abgeordnete Mario Czaja.

Er hat in Erfahrung gebracht, warum das Provisorium immer noch andauert. „Nach Darstellung des Senats behindern derzeit Schächte von Telekommunikationsanbietern das Fortschreiten des Baues“, teilt Czaja mit. „17 Jahre Planung hätten die Zeit gelassen, die Pläne richtig lesen zu können und das vorab zu klären.“ Die „längste Rotphase Berlins“, wie Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt vor einem Jahr im Checkpoint-Newsletter schrieb, soll aber im Jahr 2021 ein Ende haben: im zweiten Quartal, wie Czaja erfuhr. Es wäre alles zum Lachen, wenn es nicht um die Verkehrssicherheit ginge.