Namen & Neues

Die Bockwindmühle steht weiter still

Veröffentlicht am 26.01.2021 von Paul Lufter

Eigentlich sollte 2021 alles anders werden an der Bockwindmühle in Alt-Marzahn. Nachdem Anfang des vergangenen Jahres der langjährige Müller aufgrund eines sexuellen Übergriffs auf einen Praktikanten gehen musste und sein Nachfolger Simon Rehle bereits nach der Probezeit den Posten wieder verließ, sollte jetzt im Januar endlich eine neue Müllerin vorgestellt werden. Im Dezember hatte Ralf de Silva, Vorstandsmitglied des Mühlenvereins Berlin-Marzahn e.V., verkündet, dass bereits jemand gefunden worden sei. Doch Pustekuchen. Angeblich hat sich auch die neue Müllerin bereits wieder aus dem Staub gemacht. Der Grund: „Unüberbrückbare Differenzen“.

Anfang 2020 hatte das Bezirksamt die Agrarbörse Deutschland-Ost e.V./Tierhof Alt-Marzahn mit dem Betrieb der Mühle betraut und mit der Einstellung eines/einer hauptberuflichen Müller*in  beauftragt, erklärt de Silva. Nachdem Rehle den Posten nach sechs Monaten wieder verlassen hatte, wurde zum ersten Dezember von der Agrarbörse eine neue Meisterin des Müllerhandwerks eingestellt. Laut de Silva hatte sie bereits vor Weihnachten die Flügel der Windmühle wieder in Bewegung gesetzt.

„Zu meinem Erstaunen erfuhr ich in der vergangenen Woche, dass die Müllerin wegen unüberbrückbarer Differenzen mit der Geschäftsführung der Agrarbörse/Tierhof das Arbeitsverhältnis bereits wieder beendet hat“, berichtet de Silva. Er wolle sich in Kürze mit dem Bezirksamt, der Geschäftsleitung der Agrarbörse sowie dem Vorstand des ehrenamtlich arbeitenden Mühlenvereins beraten. Es soll darum gehen, wie die Zukunft der Mühle gesichert werden kann. „Für uns wäre es wünschenswert, wenn sich noch mehr Bürger, denen das Marzahner Wahrzeichen am Herzen liegt, bei uns im Verein engagieren, denn wir wollen unsere Kraft unbedingt verstärken“, so der Appell von de Silva.

„Leider war es bisher nicht möglich, eine*n verlässliche*n Müller*in für die Marzahner Mühle zu finden“, hieß es dann heute in einer Pressemitteilung des Bezirksamts. Bezirksstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) ist jedoch optimistisch, „dass die Agrarbörse trotz der bisherigen Fehlschläge bald jemanden finden wird und dass der- oder diejenige die Stelle mit dem notwendigen Engagement und viel Leidenschaft ausfüllen wird.“ Einfach wird die Suche jedoch nicht, denn in der Branche herrscht akuter Fachkräftemangel.

„Das ist kein Ausbildungsberuf mehr“, erklärt Andreas Plank, Geschäftsleiter der Agrarbörse. Aber auch er ist zuversichtlich. Eigentlich würde es für Bewerber*innen reichen, wenn sie einen holzverarbeitenden Beruf gelernt haben und gut vor und mit Menschen sprechen können. Wenn dann noch eine große Portion Interesse für das Mühlenhandwerk dabei ist, sollte es eigentlich klappen. Im Moment betreut der Tierhof die Mühle. Auch die Bildungsangebote für Schulen und Kindergruppen könnten aktuell stattfinden, wenn da nicht Corona wäre, so Plank. Das Thema Müller*in wird uns also wohl noch eine Weile begleiten.

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Dieser Text stammt aus dem Tagesspiegel-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf. Mehr davon? Gern: Alle 12 Tagesspiegel-Newsletter für Berlins Bezirke gibt es in voller Länge und kostenlos hier – leute.tagesspiegel.de

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