Sport

Veröffentlicht am 12.05.2020 von Ingo Salmen

Dirk Donath, 51, wohnt in Mahlsdorf und ist Anhänger des 1. FC Union. Wie viele andere Fußballfans darf er am Sonntag wegen Corona nicht ins Stadion An der Alten Försterei – und ausgerechnet jetzt kommen die Bayern. Ärgerlich, oder?

Herr Donath, wie lange besuchen Sie schon Spiele des 1. FC Union? Seit ich zehn Jahre alt bin, seither habe ich so gut wie kein Heimspiel verpasst. Und seit der Wende habe ich ein Auto und bin deshalb auch auswärts regelmäßig dabei. Drei Viertel aller Spiele in anderen Stadien habe ich von unseren Göttern in Rot-Weiß gesehen, an der Alten Försterei bin ich sowieso immer.

In dieser Saison hätten die Union-Fans erstmals die Bayern zu einem Bundesligaspiel begrüßen dürfen. Wie groß war die Vorfreude? Das wäre unser Ding gewesen, ganz klar, die Vorfreude auf die Bayern war sehr groß. Wir haben ja schon im Hinspiel beim 1:2 an der Sensation geschnuppert, aber leider einen Elfmeter verschossen. Jetzt – mit Unterstützung der Fans – wäre vielleicht noch mehr möglich gewesen.

Am Sonntag wird das Stadion allerdings leer sein. Hat Union trotzdem eine Chance? Den Bayern wird das vielleicht egal sein, die spielen ihr Ding runter, haben Erfahrung. Aber für unsere Jungs wäre ein volles Stadion wichtig gewesen, die hätten die Unterstützung gut gebrauchen können. Ohne wird es schwer.

Wo werden Sie das Spiel verfolgen? Wir schauen in unserem Partykeller mit ein paar Leuten und Bier. Es wäre natürlich sensationell, wenn wir dann noch einen Sieg feiern könnten.

Nicht gerade im Sinne der Coronavirus-Beschränkungen. Ne, alles kein Problem, wir sind eine Wohngemeinschaft mit Unionern und zurzeit sind wegen des Virus auch noch mein Sohn und meine Tochter da. Die Kulisse wird sehr überschaubar und familiär sein. Aber klar, es wird sich vermutlich nicht verhindern lassen, dass manche Fans größere Treffen organisieren.

Dass nun Fußball ohne Fans im Stadion stattfindet, finden Sie zumutbar? Tja, wie soll man das handhaben? In Deutschland hat man nun eben gesagt, dass es einen Versuch wert ist, die Saison fortzusetzen, um Meister, Absteiger und Pokalsieger zu ermitteln. Wir Unioner hätten auch den aktuellen Stand akzeptiert, denn a) stehen wir vor Hertha und b) überm Strich. Uns könnte es also egal sein, aber danach geht’s halt nicht. Letztlich entscheidet das Geld.

Ihr Tipp für Sonntag? Ich träume von einem Unentschieden.

Das Interview führte David Joram.