Sport

Veröffentlicht am 14.07.2020 von Ingo Salmen

Kontaktsportarten ab sofort wieder erlaubt. Erleichterung für tausende Sportler*innen in Berlin. Sportsenator Andreas Geisel (SPD) unterbrach am Montag seinen Urlaub, um angesichts des stark zurückgehenden Infektionsgeschehens in Berlin zu verkünden, dass Kontaktsportarten ab sofort wieder ohne Einhaltung der Abstandsregel von 1,50 Meter erlaubt seien. Zwar werde der Senat erst in seiner Sitzung die Regelungen formell anpassen, doch sollten bis dahin schon keine Verstöße gegen die bisherige Praxis mehr geahndet werden. Betroffen sind davon der Fußball genauso wie Handball, Volleyball oder Basketball und auch Kampfsportarten. Allerdings müsse es feste Trainingsgruppen geben und ein Hygienekonzept.

Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) begrüßte die Regelung, kommentierte den Tagesspiegel-Artikel aber mit dem Hinweis, dass er sich eine Information der Sportämter durch den Senator gewünscht hätte. Darüber hinaus übermittelte Lemm neue Regelungen der Innenverwaltung für Hallen: Vereine dürften Umkleiden, Toiletten und Duschen wieder nutzen, außerdem würde die Zahl der erlaubten Sportler*innen an die Hallengröße angepasst.

Deutscher Meister TTC Eastside eröffnet Bundesliga-Saison. Die Frauen-Bundesliga im Tischtennis startet fünf Wochen eher als geplant in die neue Saison. Das teilte der Präsident des Berliner Spitzenklubs, Alexander Teichmann, am Montag im Gespräch mit dem Leute-Newsletter Marzahn-Hellersdorf mit. Der Deutsche Meister TTC Eastside empfängt am 5. September den TSV Schwabhausen in der Sporthalle am Lichtenberger Anton-Saefkow-Platz. Eigentlich sollte die Bundesliga allgemein am 11. Oktober starten, die beiden Vereine verständigten sich jedoch darauf, das Spiel vorzuverlegen – damit die Bayern Reisekosten sparen können. Sie müssen an jenem Wochenende ohnehin nach Berlin fahren, weil der TTC am 6. September auch das Qualifikationsturnier für das Final Four im deutschen Pokal-Wettbewerb ausrichtet.

Auf die Kosten müssen alle Vereine besonders achten. Vizemeister TuS Bad Driburg hat bereits einem Vierteljahr seinen Rückzug aus der Bundesliga verkündet. Zu viele Sponsoren hatten sich wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zurückgezogen. Formal werden die Ostwestfalen in der neuen Saison als erster Absteiger geführt, womit nur sieben Teams antreten werden. Nach Ende der Punkterunde wird es deshalb ein Comeback der Playoffs geben. „Das war in der Vergangenheit ein Publikumsmagnet“, sagt Teichmann.

Seriensieger TTC (sechs der letzten sieben Meisterschaften gingen nach Berlin) blieb von der Krise weitgehend verschont. „Wir haben Glück gehabt, dass unsere Sponsoren bis auf zwei, drei Ausnahmen an Bord geblieben sind und uns die Treue gehalten haben“, sagt Teichmann. Erst in der vergangenen Woche hat einer der Hauptsponsoren seinen Vertrag um ein Jahr bis Mitte 2021 verlängert: der Möbelhändler Porta, der den Ost-Berliner Klub schon seit acht Jahren unterstützt. „Da hatten wir wirklich ein bisschen Sorgen, weil die Einrichtungshäuser im Lockdown auch länger geschlossen waren.“

Teichmann wartet auch auf die Ansetzungen für die Champions League, deren Heimspiele Eastside in der Marzahner Frauensporthalle austrägt. „Die Champions League wird wieder stattfinden, nur die Termine sind noch nicht zu hundert Prozent bestätigt“, erklärt der TTC-Präsident. Start sei voraussichtlich im Oktober, der Weltverband ITTF müsse erst noch den internationalen Terminplan festzurren. „Es besteht immer noch viel Unsicherheit, wann welche Veranstaltung stattfindet“, sagt Teichmann.

Unsicherheit begleitete auch die Saisonplanung des Vereins: Viermal hat der TTC bereits die Champions League gewonnen, in diesem Frühjahr waren die Hoffnungen groß, doch vor dem Halbfinale kam der Saisonabbruch dazwischen. Nun müssen die Berlinerinnen mit einem umgekrempelten Team einen neuen Angriff starten. Die Gründe sind verschieden, von der Mutterpause bis zum Karriereende. Doch auch die Coronakrise hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Kaderplanung. „Wir haben uns auf deutsche und europäische Spielerinnen konzentriert“, sagt Teichmann. Zu ungewiss sei die weitere Entwicklung von Reiseregelungen und Quarantänebestimmungen rund um den Globus.

Neue Top-Spielerin ist damit die Holländerin Britt Eerland (Weltranglisten-Platz 30), die der TTC vom Aussteiger Bad Driburg übernahm. Sie gesellt sich an die Seite der deutschen Nationalspielerinnen Nina Mittelham (Platz 39) und Shan Xiaona (Platz 43). Zugleich weiß der TTC-Präsident: „Uns fehlt im Moment eine Super-Asiatin.“ Wenn der Start in die Champions League sportlich glückt und auch die Pandemie mitspielt, hat der Verein aber noch eine Chance. „In dieser Saison“, erzählt Teichmann, „gibt es jetzt erstmals die Möglichkeit, dass man im Januar nachverpflichten kann.“

Zuerst sind aber alle Augen auf den Saisonstart gerichtet. Vor dem Bundesliga-Auftakt am 5. September soll auch die Ehrung des Deutschen Meisters nachgeholt werden, verrät Teichmann. Und zum Pokal-Qualifikationsturnier am 6. September sprudelt es gleich aus ihm heraus: „Da kann man alle Bundesliga-Vereine an einem Tag sehen.“ Für eine Sportart wie das Tischtennis, die in der öffentlichen Wahrnehmung hinter vielen anderen Disziplinen zurückstehen muss, wäre solch ein großer Auftakt ein wichtiges Signal – am liebsten auch mit Publikum. Doch ob der TTC auch Zuschauer*innen begrüßen darf, ist noch ungewiss. Am Anton-Saefkow-Platz kommen (wie auch in der Frauensporthalle) normalerweise 200 Leute auf den Rängen unter. Teichmann würde es begrüßen, wenn es eine Regelung gäbe, die an die Größe des Raumes angelehnt ist. 60 bis 80 Leute Publikum würde er sich wünschen. Jetzt sind Senat und Bezirk am Zug.

FFF-Countup. 1354 Tage seit Nicht-Eröffnung der Frauenfitnessfläche der Frauensporthalle (geplant für den 23. Oktober 2016).